Betrieb und Gewerkschaft

Zuckerbrot und Peitsche der Bahnunternehmer gegen die Lokführer

20.04.11 - Im Durchschnitt sind vorgestern rund 70 Prozent der Züge der bestreikten zwanzig Schienenpersonen-Nahverkehrsunternehmen ausgefallen. Dasgeht aus einer Pressemeldung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hervor. Besonders stark betroffen waren wieder die Vogtlandbahn, metronom und die Ostdeutsche Eisenbahn. Der Arbeitskampf ist für insgesamt 60 Stunden bis Donnerstag früh 2.00 Uhr angesetzt. Die GDL vertritt 75 Prozent aller 26.000 Lokomotivführer in Deutschland. 

Die GDL beurteilt das Verhalten der Unternehmer als "Zuckerbrot und Peitsche" und schreibt: "Nach wie vor versuchen die Arbeitgeber, die Streiks zu unterwandern. Von Beginn an haben sie teure Ersatzverkehre eingekauft und ihre Führungskräfte eingesetzt. Gleichzeitig behauptet die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), dass die Streikfront der GDL bröckeln würde, da ja nach ihrer Aussage 80 bis 85 Prozent der Züge fahren. 'Das ist jedoch reines Wunschdenken. Nach wie vor beteiligen sich GDL-Mitglieder zu 100 Prozent am Streik. Es ist doch logisch, dass der Zugausfall geringer wird, wenn ich viel Geld für Ersatzverkehre in die Hand nehme', so der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. (...)

Aber die MRB und die HEX drohen nicht nur mit der Peitsche, sondern sie versuchen unsere Lokomotivführer auch mit Zuckerbrot zu ködern. So werben sie mit individuellen Lohnangeboten oder illegalen Betriebsvereinbarungen. Unsere Mitglieder wollen aber nicht, dass der Wettbewerb über die Lohnkosten länger auf ihren Rücken ausgetragen wird. Sie wollen für ihre verantwortungsvolle Arbeit im Schicht- und Wechseldienst entsprechend entlohnt werden − und zwar dauerhaft. Und das funktioniert rechtssicher nur mit einem Tarifvertrag."

Besonders verwehrt sich die GDL gegen die unverschämte Unterstellung des Präsidenten der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, der die GDL als eine "Minderheitsgewerkschaft für die Sonderinteressen einer kleinen Gruppe" bezeichnet hat.