Umwelt

Fukushima: "Regierung handelt völlig verantwortungslos"

06.05.11 - In Japan sollen offenbar drei weitere Reaktoren der Atomanlage Hamaoka abgeschaltet und "Vorkehrungen" gegen Erdbeben- und Tsunami-Gefahr getroffen werden. Nach Meldungen der Nachrichtenagentur Kyodo von heute besteht die Gefahr eines neuen schweren Erdbebens in nächster Zeit! Gleichzeitig ist im weltweit größten AKW, das ebenfalls in Japan liegt, ein neuer Störfall bekannt geworden. Ein Ventil im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa habe nicht funktioniert, zitierte Kyodo den Betreiber Tepco. Das Ventil sei wichtig, wenn im Notfall Wasser zum Reaktor gepumpt werden müsse. In der AKW-Ruine Fukushima haben Roboter eine extrem hohe Strahlenbelastung gemessen. Trotzdem werden Arbeiter in das havarierte AKW zu Arbeitseinsätzen geschickt. 

Der vor einigen Tagen von seinem Posten als Sonderbeauftragter der japanischen Regierung für nukleare Fragen zurückgetretene Professor Toshiso Kosaka erklärte, er könne "als Wissenschaftler nicht verantworten", wie die Regierung mit der Atomkatastrophe umgehe. Thomas Breuer, Greenpeace-Experte war mit einem internationalen Team vor Ort. Sein Fazit: "Die Regierung handelt völlig verantwortungslos."

In der Kritik steht nicht nur, dass fortlaufend Grenzwerte nach oben gesetzt werden. Inzwischen darf ein Kind in Japan der gleichen Strahlenmenge ausgesetzt werden wie im Rest der Welt ein männlicher Arbeiter in einem Atomkraftwerk. Vor allem der menschenverachtende Umgang mit der Atomkatastrophe entsetzt Experten. "Mir kam es manchmal so vor, als würden wir uns dort in einer Parallelwelt bewegen. Wir mit unseren Geigerzählern, die ständig tickten, während sich um uns herum die Menschen, die diese Werte nicht haben, ganz normal bewegen, als würde sich das alles nichts angehen", berichtet Breuer der Frankfurter Rundschau.

Selbst minimale Warnhinweise, wie sie vor 25 Jahren nach der Katastrophe in Tschernobyl noch gegeben wurden - zum Beispiel Spielplätze vorübergehend zu meiden - unterbleiben seitens der Regierung. Vertuschung und Verantwortungslosigkeit sind rekordverdächtig.

Knapp zwei Monaten nach der Katastrophe in Japan gelangt in Fukushima immer noch hoch radioaktive Strahlung nach außen. In Tschernobyl war nach diesem Zeitraum die Strahlung eingedämmt. Die Betreiberfirma Tepco hat inzwischen ihre Arbeiter zu einer Lohnkürzung von 20-25 Prozent erpresst. Arbeiterinnen wurden entlassen, weil für sie niedrigere Grenzwerte gelten als für ihre männlichen Kollegen.

Das Ausmaß der Katastrophe und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt seind derzeit nicht abzusehen. Arnie Grundersen hat 39 Jahre für die Atomindustrie gearbeitet. Er weist auf Indizien hin, dass die Explosion im Reaktor 3 am 14. März größere Auswirkungen hatte als bisher zugegeben. Aufgrund von Strahlenmessungen auf Hawaii, in Neu-England und Plutonium-Staub in Fukushima fürchtet er, dass bei der Explosion radioaktive Elemente in die Atmosphäre gelangten. Damit würden sie über den Erdball verbreitet.

In Deutschland rutscht derweil die japanische Katastrophe mehr und mehr aus dem Blickfeld der Massenmedien. Die westlichen Regierungen von Washington über London, Paris und Berlin nehmen gerne jede Gelegenheit zum Anlass, sich in andere Länder einzumischen. Gegenüber den Verbrechen an Millionen Japanern mit Langzeitfolgen für die ganze Welt herrscht Schweigen im Walde.

Umso wichtiger, mit aller Kraft eine internationale Widerstandsfront für die sofortige weltweite Stilllegung aller Atomkraftwerke aufzubauen!