Umwelt

Vor einem zweiten Fukushima in Japan? Schluss mit der Nachrichtensperre!

03.05.11 - Auch im 360 Kilometer von Fukushima entfernten Atomkraftwerk Tsuruga 2 tritt verstärkt Radioaktivität aus. Es soll nun herunter gefahren werden. Japanische Umweltschützer befürchten ein zweites Fukushima, aber auch hier unterliegen alle Nachrichten einer strengen Zensur. Während alle großen bürgerlichen Medien nach der Katastrophe in Japan mit "Live-Tickern" den Eindruck erweckten, immer aktuell über alle Vorgänge in den japanischen AKWs zu berichten, ist die Berichterstattung nun weitgehend aus den Medien verschwunden. Damit wird die international koordinierte Kampagne der Verharmlosung und Desinformation gegenüber dem wahren Ausmaß der Katastrophe auf die Spitze getrieben.

Das Forschungsschiff "Rainbow Warrior" von Greenpeace wurde vergangene Woche daran gehindert, innerhalb der 12-Meilen-Zone um Japan die Verstrahlung des Pazifiks zu messen. Wissenschaftler von Greenpeace haben bereits bei ihren Messungen auf dem japanischen Festland nachgewiesen, dass die von den Behörden veröffentlichten Werte falsch sind. So ergaben Messungen von Greenpeace in der 25 Kilometer vom AKW Fukushima entfernten Stadt Minamisoma ein Level von 4,5 Mikrosievert pro Stunde. Die japanischen Behörden hatten in einem offiziellen Messpunkt in der Stadt hingegen nur Werte von 0,7 Mikrosievert pro Stunde aufgezeichnet. Die von Greenpeace gemessene radioaktive Belastung liegt auf das Jahr umgerechnet 39,4-mal über dem offiziell als "unbedenklich" eingestuften Wert (1.000 Mikrosievert pro Jahr gelten nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz bei Erwachsenen als "unbedenklich").

Die Berichterstattung über weitere, zum Teil schwer beschädigte Atomkraftwerke wie Onagawa, Rokkasho oder Tokai, wo es wegen Ausfalls der Kühlung ebenfalls zu Kernschmelzen gekommen sein kann, wurde seit Anfang April ganz unterbunden. Das wahre Ausmaß der weltweiten radioaktiven Verseuchung wird ebenfalls unter der Decke gehalten. Es existiert zwar ein umfangreiches Netz von derzeit 60 Messlaboren der "Organisation zur Kontrolle von Atomtests" (CTBTO), womit die radioaktive Belastung der Luftschichten seit dem 12. März 2011 weltweit unablässig aufgezeichnet wird. Mit Hilfe dieser Messergebnisse wäre es möglich, die Ausbreitung der durch die radioaktiven Emissionen des Atomkraftwerks Fukushima kontaminierten Luftmassen Tag für Tag zu verfolgen. Doch in den meisten Ländern werden die Daten der CTBTO-Messlabore nur an ausgewählte, offizielle Organisationen weitergeleitet, die wiederum der Geheimhaltung unterliegen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wiederholt unablässig, dass es in Deutschland und Europa keine Gefährdung für die Bevölkerung gebe und sogar die radioaktive Belastung durch das in der Natur vorkommende Gas Radon höher sei. Die Radionuklide aus Japan haben sich jedoch zunächst in Nordamerika, dann über ganz Europa in der Atmosphäre verteilt. Seit dem 13. April 2011 werden auch Spuren auf der Südhalbkugel registriert. Messstationen in Australien, Fiji, Malaysia und Papua Neu-Guinea haben radioaktive Partikel aus der Luft abgefangen und die Strahlungswerte aufgezeichnet.

In welchem Umfang neben Jod 131, das in Frankreich in Kuhmilch nachgewiesen wird, und Cäsium 137, durch die weiterhin stattfindende Kernschmelze auch die viel gefährlicheren Isotope Plutonium 239 und Plutonium 241, Strontium 90 sowie radioaktive Gase wie Xenon und Argon freigesetzt werden, wird sowohl von TEPCO als auch den japanischen Behörden verschwiegen. Eine sofortige, uneingeschränkte Offenlegung aller Messwerte über radioaktive Belastung muss durch die weltweiten Widerstandsaktionen für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen ebenso durchgesetzt werden, wie eine ungehinderte Messung aller Belastungen durch unabhängige Umweltorganisationen, um die Weltbevölkerung zu schützen.