Politik

Die schmierigen Methoden des Leo Martin - oder wie der "Verfassungsschutz" sich ins "Vertrauen" schleicht

Köln (Korrespondenz), 14.05.11: Gestern abend im WDR-Programm: "Kölner Treff". Zu Gast unter anderem Leo Martin. Leo Martin, so sagt er von sich, war ein V-Mann und Anwerber von V-Leuten beim Inlandsgeheimdienst "Verfassungsschutz". Nach seiner V-Mann-Arbeit habe er dort schnell Karriere gemacht, jetzt vermarktet er sein Wissen und seine V-Mann-Erkenntnisse in einem Buch ("Ich krieg dich! Menschen für sich gewinnen - Ein Ex-Agent verrät die besten Strategien") und bei Vorträgen.

Leo Martin ist der Typ Schwiegermutters Liebling, gut aussehend, gewinnende Art, positive Ausstrahlung. Wie er sie alle kriegt? Ganz einfach: Indem er Vertrauen aufbaut. Da klingelt doch was: War das nicht die Stasimasche, auch bekannt unter "Romeo-Einsatz"? Nicht so in der Talkrunde. Nicht einer, und auch nicht die Moderatorin, hakte kritisch nach. Allgemein wurde das Agentenleben als "spannend" und "im Dienst einer guten Sache" gewertet und Leo Martin konnte sich erfolgreich als ehrlicher Betrüger verkaufen. Der auf der Hand liegende Stasi-Vergleich kam nicht zur Sprache.

Man muss wohl davon ausgehen, dass sein Auftreten zu einer PR-Strategie des "Bundesamts für Verfassungsschutz" gehört, das ja ansonsten die Identität seiner Mitarbeiter abschottet. Die Schlapphüte haben es ja auch dringend nötig, viele Freunde haben sie nicht.

Eine von 17 Rezensionen bei Amazon setzt sich im Übrigen kritisch mit seinem Buch auseinander und kommt zu folgender Bewertung: "Geradezu abstoßend. Vertrauen als 'Waffe' im Beziehungsgeschehen. Es geht gar nicht mehr darum, wie ich mich gegenüber einem Menschen wirklich öffne, es geht nicht um Hingabe und wirkliche Beziehung, es geht um Techniken, Manipulationen, Tricks."