Politik

Ein Rücktritt mit "Charakter"

Oberhausen (Korrespondenz), 13.05.11: Erneut musste eine Spitzenkraft deutscher Politik das Handtuch werfen. Erwischt hat es ausgerechnet die Vorzeigefrau der ohnehin schon arg gebeutelten FDP, Silvana Koch-Mehrin. In ihrer "Doktorarbeit" unter dem vielsagenden Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 - 1927" hatte sie ein Drittel der 227 Seiten ohne Quellenangabe aus fremden Texten kopiert.

Aber Frau Koch-Mehrin hat Charakter. Bevor die Uni Heidelberg ihre Ermittlungen abgeschlossen hat, legte sie mit sofortiger Wirkung ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments nieder. Ihren Posten als Abgeordnete des Europaparlaments behält Frau Koch-Mehrin allerdings. Kann man verstehen, nicht dass sie sonst womöglich zum Hartz-IV-Fall wird.

Als Europa-Abgeordenete erhält sie ja eh nur ein kleines Almosen. Knapp bemessene 7.665,31 Euro pro Monat. Hinzu kommen "Zuschläge für allgemeine Geschäftskosten" in Höhe von 4.202 Euro pro Monat. Relativ viel Geld dafür, dass ihre Präsenzquote bei Ausschuss-Sitzungen gerade mal bei 9,6 Prozent lag.

Darüber hinaus gibt es "Tagesgelder" von 298 Euro für jeden Tag, den die Abgeordneten nicht zu Hause, sondern in Brüssel oder Straßburg verbringen müssen. Arzt- und Medikamentenrechnungen übernimmt zu zwei Dritteln das Europaparlament. Nach acht Jahren hat Frau Koch-Mehrin Anspruch auf "Altersentschädigung", was beim Normalbürger "Rente" genannt wird. Frau Mehrin erhält dann noch ca. 17.000 Euro im Monat, um ihre "Assistenten" zu entlohnen.

Also, mal Hand aufs Herz: Wer wollte es Frau Koch-Mehrin verdenken, dass sie zumindest ihren Minijob im Europaparlament behalten will. Ob ihr wohl die vielen Foto- und Talkshowtermine fehlen werden, die ihr sogar in Brüssel den Spitznamen "Klatschspalten-Abgeordnete" eingebracht haben?