Betrieb und Gewerkschaft

Opel Bochum: Massenmobbing gegen kampfstarke Belegschaft und Erfolge im Kampf gegen Versetzungen

13.05.11 - Dazu heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung von Annegret Gärtner-Leymann, Betriebsrätin bei Opel Bochum:

Während in der Einigungsstelle derzeit noch intensiv um die Verhinderung von betriebsbedingten Kündigungen gestritten wird, kann auch schon derzeit nicht mehr von freiwilligem Personalabbau im Bochumer Opel Werk geredet werden. Durch regelrechtes Massenmobbing sollen die Kollegen dazu bewegt werden, Aufhebungsverträge zu unterschreiben: Die Schraube der Arbeitsverdichtung wird so weit angezogen, dass viele Kollegen einfach körperlich nicht mehr können.

Dazu kommt der psychische Druck mit der nun schon Jahre dauernden Bedrohung der Arbeitsplätze und der Desinformationspolitik darüber. Auch die Zwangsversetzungen nach Rüsselsheim sind reine Schikane: Es gibt Freiwillige, die weitere drei Monate in Rüsselsheim bleiben wollen und nicht dürfen – andere werden gezwungen. Immer stärker erhebt sich der Verdacht, dass hier gezielt unliebsame Kollegen ausgewählt werden.

Auch für die in Bochum verbleibenden Kollegen entstehen durch die Versetzungen und den im Werk überall zu spürenden Personalbedarf unzumutbare Belastungen. Mit jeder "Versetzungsrunde" gehen deshalb etliche der ausgewählten Kollegen - weil sie aus schwerwiegenden persönlichen Gründen nicht von zu Hause wegkönnen – direkt zur Personalabteilung und unterschreiben ihren Aufhebungsvertrag. Und das ist auch das Ziel der ganzen Versetzerei!

Ein weiterer Kollege - Ersatzbetriebsrat der Betriebsratsliste Offensiv – hat eine Klage gegen seine Versetzung nach Rüsselsheim vorbereitet und gestern einen wichtigen Erfolg erzielt: Nach Androhung seines Anwalts auf einstweilige Verfügung erklärte Opel gestern, dass sie von der geplanten Versetzung zum 16. Mai Abstand nehmen!

Der Kollege war gegen die Versetzung vorgegangen, weil er seine pflegebedürftige Mutter nicht alleine lassen kann, vor allem aber auch das gesamte Mobbing mit den Versetzungen angegriffen: Sein Anwalt Frank Stierlin / Gelsenkirchen im vorbereiteten Antrag auf einstweilige Verfügung: "Demgegenüber ist die von der Antragsgegnerin behauptete betriebliche Notwendigkeit für die Versetzung in keiner Weise ersichtlich. Insbesondere trifft es nicht zu, dass im Werk Bochum ein 'Personalüberhang' besteht, schon gar nicht in der Abteilung des Antragstellers. ... Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass dieses von der Antragsgegnerin betriebene 'Versetzungskarussell' nur dem Zweck dient, Druck auf die Mitarbeiter auszuüben, damit diese die von der Antragsgegnerin angestrebten Aufhebungsverträge unterzeichnen."

Das derzeitige Vorgehen von Opel kann also weder "freiwillig" noch "sozialverträglich" genannt werden – die Arbeitsplätze sind weg und die Kollegen arbeitslos. Auch das kann kein Gewerkschafter akzeptieren! Dass Opel gerade das Bochumer Werk so ins Zentrum seine Angriffe rückt, nicht von der geplanten Arbeitsplatzvernichtung abweicht, aber auch die genannten Methoden dazu haben wohl politische Gründe: Offenbar will man sich ein kampfstarkes und gut organisiertes Werk vom Hals schaffen, fürchtet dabei aber eine offene Konfrontation mit der Belegschaft und will sie mit diesem Psychoterror mürbe machen.

Aber da haben sie mit der falschen Belegschaft gerechnet – bisher erst etwas über 700 haben Aufhebungsverträge unterschrieben. Der Großteil ist nicht bereit, sich aus dem Werk mobben zu lassen und wird um seinen Arbeitsplatz kämpfen!