Umwelt

Agrarkonzerne zerstören die "grüne Lunge" der Erde

22.05.11 - Nach einer vorübergehenden Eindämmung hat die Zerstörung des Regenwaldes im brasilianischen Amazonasgebiet in den letzten Monaten wieder dramatische Ausmaße angenommen. Im März und April wurde fast fünfmal so viel abgeholzt wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein im Bundesstaat Mato Grosso wurden in diesen beiden Monaten mindestens 480 Quadratkilometer Wald zerstört. Das wurde mit Hilfe von Satellitenbildern des staatlichen brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) ermittelt. Die Umweltorganisation Greenpeace spricht sogar von einer Zunahme des Waldverlustes um 823 Prozent.

In den letzten sechs Jahren war die jährliche Entwaldungsrate um fast 80 Prozent gesunken. Zu dem Rückgang hatten verschärfte Kontrollen sowie Ökoauflagen wie die Verpflichtung zur Wiederaufforstung illegal abgeholzter Flächen beigetragen. Diese Maßnahmen waren teilweise Zugeständnisse an Proteste von Umweltschützern, ohne dass sie den massiven Raubbau wirklich stoppen konnten bzw. sollten. Eine Rolle für die zeitweilige Eindämmung spielte aber auch der fallende Weltmarktpreis für Soja in Folge der Weltwirtschaftskrise. Die Ausdehnung der Flächen für Sojaanbau ist ein Hauptgrund für die systematischen Brandrodungen.

Die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira kann sich die rasante Zunahme der Abholzungen angeblich nicht erklären. Dabei sollen nach Regierungsplänen die Anbauflächen für Soja sowie Zuckerrohr für die Bio-Sprit-Produktion in den nächsten Jahren vervielfacht werden. Dazu wurde im brasilianischen Parlament eine Neufassung des von 1934 stammenden Waldgesetzes eingebracht. Dieses regelt unter anderem, dass Landbesitzer im Amazonasgebiet nur 20 Prozent ihrer Flächen landwirtschaftlich nutzen dürfen und den darüber hinaus verbliebenen Regenwald nicht antasten dürfen.

Die hinter der Gesetzesreform stehenden Agrarkonzerne - die meisten davon ausländische - dringen darauf, dass diese Pflicht aufgehoben wird und statt dessen 50 Prozent des Amazonasgebiets für Ackerbau und Viehzucht genutzt werden dürfen. Bestandteil der Pläne ist auch eine weitgehende Amnestie für die Verantwortlichen der Brandrodungen, die dadurch nicht nur den Regenwald zerstören, sondern auch zu zwei Dritteln der brasilianischen Kohlendioxid-Emissionen beitragen.

Die Zerstörung des Regenwalds hat jedoch noch weitaus größere Auswirkungen auf die Verstärkung des Treibhauseffektes in der Erdatmosphäre und den Übergang zur globalen Klimakatastrophe. Der immergrüne tropische Regenwald des Amazonasgebiets ist die größte zusammenhängende Waldfläche und die "grüne Lunge" der Erde. Hier wird ein großer Teil des Kohlendioxids der Atmosphäre über die Photosynthese der Pflanzen wieder in Sauerstoff zurück verwandelt.

Zwar soll über das Gesetz erst kommende Woche im Parlament beschlossen werden. Doch die Konzerne und Farmer roden bereits auf Vorrat. Laut Greenpeace haben die meisten Abholzungen spekulative Motive im Hinblick auf eine erhoffte zukünftige Nutzung.

"Wenn sich die Agrarlobby durchsetzt, werden wir allein in den kommenden Jahren mindestens 500.000 Quadratkilometer Regenwald verlieren", so Sergio Leitao von Greenpeace Brazil. Die gesamten noch verbliebenen Flächen des brasilianischen Regenwalds umfassen etwas über drei Millionen Quadratkilometer. "17 Prozent Amazoniens sind bereits für immer verloren, erreichen wir 20 Prozent, kann die Biodiversität kippen, mit unabsehbaren Folgen für das Weltklima." 

Das unterstreicht, dass auf der heutigen Stufe der Neuorganisation der internationalen Produktion die Umweltkrise von einer Begleiterscheinung zur gesetzmäßigen Erscheinung der kapitalistischen Produktionsweise geworden ist. Der Aufbau einer weltweiten Front des aktiven Widerstands zur Rettung der Umwelt muss deshalb eng mit dem Kampf für den Sozialismus verbunden werden, der allein die Einheit von Mensch und Natur wieder herstellen kann.

(Hintergrundinformationen im Kapitel "Die Bedrohung der Lebensgrundlagen der Menschheit durch die globale Umweltkatastrophe" im Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution")