Umwelt

Der "Stresstest" und das Märchen von den "sicheren" AKWs

18.05.11 - Auch wenn der gestern vorgelegte Bericht der Reaktorsicherheitskommission manipulativ erstellt ist und nachträglich von der Regierung schöngeredet wird – selbst so ist er ein Offenbarungseid über den Zustand der 17 deutschen Atomkraftwerke. Er belegt unfreiwillig ein weiteres Mal: Es gibt keine "sicheren" AKWs! Keines der deutschen AKWs erreicht das, was von der Kommission selbst als "Level 3" bei der Notstromversorgung bezeichnet wird: Batteriekapazitäten von mindestens zehn Stunden und einen zweiten unabhängigen Notstromkreislauf.

Nur ein einziges AKW (Philippsburg 1) hat mehrere voneinander unabhängige Kühlsysteme. Alle anderen liegen auf dem niedrigsten "Level 1", eine Kühlung wäre nur mit Notfallmaßnahmen möglich. Und selbst eine aufwändigere Notstromversorgung kann ausfallen z.B. bei entsprechenden Naturkatastrophen oder Flugzeugabstürzen, wie sie auch in Deutschland jederzeit möglich sind. So würde Philippsburg 1 laut dem Bericht nicht einmal dem Absturz eines Sportflugzeug standhalten.

Dabei sind selbst diese ernüchternden Ergebnisse weitgehend losgelöst von der Realität zustande gekommen. Die Atomkonzerne haben der Reaktorsicherheitskommission für ihren angeblichen "Stresstest" lediglich schriftlich berichtet, wie es um die Sicherheit ihrer AKWs bestellt ist. So werden z.B. Zusammenhänge wie die dramatische Materialermüdung von Stahl, Beton und weiteren Werkstoffen durch den langjährigen radioaktiven Beschuss völlig unterschlagen. Gleichzeitig werden gute Bewertungen in einem der Prüffelder "aufgewogen" gegen katastrophale Bewertungen bei anderen.

Etwas anderes war von der Reaktorsicherheitskommission auch nicht zu erwarten. In einer Stellungnahme von "ausgestrahlt.de" heißt es dazu: "Hier hat sich die Atomwirtschaft gewissermaßen selbst geprüft. Denn unter den 16 Mitgliedern sind Vertreter der Stromkonzerne, Mitarbeiter des Reaktorbauers Areva und Angestellte von Forschungsinstituten, die einen Großteil ihrer Aufträge dadurch bekommen, dass es laufende Atomkraftwerke gibt. Alleine vier Mitglieder der Kommission stellt der TÜV, in dem wiederum die Stromkonzerne großen Einfluss haben. Das Bundesumweltministerium stellte schon 2008 fest: die ‚große Betreibernähe der TÜV beeinträchtigt die Qualität und Unabhängigkeit der Begutachtung‘."

Monopole wie Areva, Siemens, Toshiba, Eon, EnBW, RWE, Vattenfall, Tepco sind die Gegner der Anti-AKW-Bewegung. Das Schauspiel um die "Stresstest" hat keinen anderen Zweck als zu versuchen, die Proteste der Massen zu dämpfen und für die Atomkonzerne zu retten, was zu retten ist.

Um die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke weltweit auf Kosten der Betreiber durchzukämpfen, muss eine internationale Widerstandsfront gegen die kapitalistischen Umweltzerstörer aufgebaut werden. In diesem Sinne beteiligen sich MLPD und REBELL am 28. Mai an den 21 Demonstrationen der Anti-AKW-Bewegung in Deutschland für die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke. In den rebellischen Widerstandsgruppen werden bereits Schilder, Parolen und ein gemeinsames kämpferisches Auftreten bei diesen Demonstrationen vorbereitet. Und natürlich sind sie eine gute Gelegenheit, breit für das 15. Internationale Pfingstjugendtreffen zu werben, was ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der internationalen Widerstandsfront gegen die Umweltverbrecher leisten wird.