Wissenschaft und Technik

Ehec-Erreger - ernst nehmen, aber nicht in Panik verfallen

25.05.11 - Innerhalb weniger Tage grassiert eine Durchfallerkrankung durch den sogenannten "Ehec-Erreger". 140 Fälle schwere Fälle wurden gemeldet. Heute wird von einem vierten Todesfall berichtet, der in Zusammenhang mit der Krankheit steht. Bürgerliche Massenmedien malen eine neue Seuche an die Wand. Über die Ursachen tappen die medizinischen Wissenschaftler im Dunkeln. Dabei ist das Auftreten der Krankheit nicht neu und ungewöhnlich. Über das ganze Jahr erkranken rund Tausend Menschen daran. "rf-news" hat mit dem Tiermediziner und Biologen Herbert Buchta gesprochen:

"Bei dem Erreger handelt es sich um eines des Typus Bakterium E.coli. Es ist schon lange bekannt und befindet sich vor allem in Tiermägen von Wiederkäuern und kann auf Menschen übertragen werden. Übertragungen sind sowohl durch Tröpfchen-Infektion von Tier zu Mensch oder dann von Mensch zu Mensch möglich, aber auch durch Schmierinfektion, d.h. Verunreinigung. Letzteres kann z.B. über Rohmilch oder Rindfleisch erfolgen. Für eher unwahrscheinlich halte ich, dass dies auf Düngen von Gemüse zurückzuführen wäre. Denn in der Regel werden die Pflanzen nicht mit Gülle gedüngt, das erfolgt vor der Aussaat. 

Die Anomalitäten bei der Erkrankungswelle liegen vor allem in folgenden Punkten: Die Häufung der Fälle, die hohe Ansteckungsrate und der betroffene atypische Personenkreis sowie die Schwere des Verlaufs mit Darmbluten und Nierenversagen. Es sind vor allem Frauen und jüngere Menschen betroffen, die normalerweise am robustesten gegen die Krankheit sind. Vor allem gelten bisher eher Kleinkinder und Immunschwache als stärker gefährdet.

Das weist darauf hin, dass sich möglicherweise aus dem Stamm der E.coli-Bakterien ein neuer gefährlicherer Erregertyp gebildet hat. Dafür spricht auch, dass er nicht auf Behandlung mit Antibiotika anspricht, und sogar das Gegenteil bewirken kann und schwere Vergiftungen hervorruft. An der Stelle möchte ich auf den unkritischen Einsatz von Antibiotika, z.B. in der Tierfütterung seit Jahren hinweisen. Er trägt die Gefahr, dass neue resistente Bakterien gezüchtet werden.

Man sollte zum jetzigen Zeitpunkt sich vor Spekulationen über die Ursachen hüten. Man kann nicht ausschließen, dass hier ein zufälliges Zusammenkommen von besonderen Umständen eine Rolle spielt.  Der Scheitelpunkt des Anstiegs der Fälle könnte durchaus auch schon überschritten sein, was die nächsten Tage zeigen werden.

Man muss das ernst nehmen, darf aber nicht in Panik verfallen. Normale Hygiene reicht aus, man sollte Lebensmittel vor Zubereitung und Verzehr reinigen, die Hände vor dem Essen waschen und vor allem nach Kontakt mit Tieren."