Umwelt

CO2-Ausstoß steigt drastisch an - unverbindliche Klimaziele von Kopenhagen und Cancun gescheitert

31.05.11 - Die Internationale Energieagentur (IAE) hat alarmierende Zahlen über den Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes veröffentlicht. Das geschah kurz nach dem G8-Gipfeltreffen von Deauville, auf dem die führenden imperialistischen Staaten ihr Festhalten am weiteren Ausbau der Kern- und Kohlekraftwerke bekräftigten (siehe "rf-news"-Bericht). Laut IAE ist der Ausstoß des klimaschädlichen Gases nach einem vorübergehenden Rückgang aufgrund der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 letztes Jahr wieder drastisch angestiegen. Im Vergleich zu 2008 um 5 Prozent und im Vergleich zu 2009 sogar um rund 8 Prozent - auf 30,6 Gigatonnen. Das ist eine erhebliche Beschleunigung gegenüber bisher, da die weltweite jährliche Zunahme zwischen 1990 und 2008 bei durchschnittlich rund 2 Prozent lag.

IEA-Chefökonom Fatih Birol bezeichnete dies als "schweren Rückschlag für die Hoffnungen einer Begrenzung des Schadstoffausstoßes". Das auf den UN-Klimakonferenzen von Kopenhagen und Cancun verkündete Ziel, den Anstieg der Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Epoche bis 2020 auf zwei Grad zu begrenzen, sei damit nur noch äußerst schwer zu erreichen.

Bereits dieses Ziel war jedoch völlig unzureichend und zudem nie mehr als eine allgemeine Willensbekundung. Es lenkte davon ab, dass die meisten imperialistischen bzw. kapitalistischen Länder der Welt sich weigern, irgendwelche verbindlichen Reduktionsziele zur Fortführung des Kyoto-Abkommens festzulegen. Ganz abgesehen davon, das dieses Abkommen bereits viel zu niedrige Ziele enthielt und von wichtigen Ländern wie den USA oder China nie unterzeichnet wurde. Die dramatische Entwicklung des CO2-Ausstoßes belegt umso mehr die völlige Untauglichkeit unverbindlicher Absichtserklärungen.

Dabei werden die Auswirkungen des jetzigen Anstiegs des CO2-Ausstoßes erst mit Verzögerung, dafür aber umso unberechenbarer für die Menschheit spürbar werden. Der britische Ökonom Nicholas Stern warnt in der Tageszeitung "Guardian": "Den Prognosen des Weltklimarates zufolge bedeutet dieser Weg mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um mehr als vier Grad steigen wird. Eine solche Erwärmung würde das Leben und die Lebensbedingungen von Hunderten Millionen Menschen weltweit bedrohen ..."

Die Polkappen und das Grönlandeis würden abschmelzen, der Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen, Ackerböden und Wälder in großem Ausmaß austrocknen - wenn die Menschheit dieser Entwicklung nicht radikal Einhalt gebietet. Deshalb müssen auch die Pläne der Bundesregierung, im Rahmen ihres "Atomkompromisses" am Ausbau der Kohlekraftwerke festzuhalten, entschieden abgelehnt werden. Bezeichnenderweise eine SPD-Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft aus Nordrhein-Westfalen, setzt dem noch eins drauf, indem sie sich "offen für weitere fossile Kraftwerke" zeigt.

Die IAE kritisiert wiederum den Ausstieg aus der Atomenergie, weil dies zum Anstieg des CO2-Ausstoßes beitrage. Alle behaupten sie jeweils, dies wäre "alternativlos". Wirklich "alternativlos" ist einzig die rasche und vollständige Umstellung auf Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen. Im Klimaschutzprogramm der MLPD wird begründet, dass dies bis 2030 zu 100 Prozent möglich wäre, wodurch sich der CO2-Ausstoß um bis zu 90 Prozent verringern würde.

Sehenden Auges nehmen die imperialistischen Länder für ihren internationalen Konkurrenzkampf den Übergang zu einer weltweiten Klimakatastrophe in Kauf. So wichtig Sofortforderungen wie nach der sofortigen Stilllegung aller Atomkraftwerke oder nach der Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien sind, ist die Umweltkrise heute aufs Engste mit der Systemfrage verknüpft. In dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" heißt es dazu: "Das allein herrschende internationale Finanzkapital versucht mit aller Gewalt, die Unterwerfung der gesellschaftlichen Produktion unter seinen engstirnigen Eigennutz zu verewigen. Doch das ist der sicherste Weg in die kapitalistische Barbarei." (S. 207)

Das setzt die enge Verbindung des Kampfs zur Rettung der Umwelt mit dem Kampf für den Sozialismus auf die Tagesordnung. Die Schlussfolgerungen dafür werden auf dem 15. Internationalen Pfingstjugendtreffen eine wichtige Rolle spielen - unter anderem auf der Zukunftsdemo am Samstag, 11. Juni, dem Widerstandsplenum des REBELL am 11. Juni um 16 Uhr sowie beim Umwelttreff mit seinen verschiedenen Aktivitäten und Veranstaltungen (siehe www.pfingstjugendtreffen.de).