Politik

Faschistische Kriegsspiele in Gebirgsjägerkaserne

Faschistische Kriegsspiele in Gebirgsjägerkaserne
Am "Tag der offenen Tür" in Bad Reichenhall (Foto rabatz-bündnis)

06.06.11 - Beim "Tag der offenen Tür" in der Bad Reichenhaller General Konrad Kaserne durften Kinder unter Tarnnetze kriechen, und mit Gewehren auf Sperrholz-Häuser schießen, um "Kosovo-Krieg zu spielen". Damit es realistisch wirkt, wurden Rauchbomben gezündet. Für die Häuserkampfszenen wurde extra ein Miniaturdorf gebaut, auf dessen Ortsschild "Klein-Mitrovica" stand. Mitrovica, ein Ort im Kosovo, ist unweigerlich mit den Gräueltaten der faschistischen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verbunden.

Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert. Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur "Partisanenbekämpfung" eingesetzt. Als Teil der Truppen des faschistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen beteiligt. Ein ehemaliger Wehrpflichtiger berichtete gegenüber "rf-news":

"Die faschistische Tradition wird heute noch hoch gehalten, das habe ich selbst als Wehrpflichtiger bei den 'Reichenhaller Jagern' erlebt. Die Kaserne verdankt ihren Namen dem General Rudolf Konrad der faschistischen Wehrmacht, der sich insbesondere ab 1943 in der Partisanenbekämpfung auf der Halbinsel Krim hervortat, wo er Massaker und Auslöschung ganzer Ortschaften befahl.

Bad Reichenhall ist neben dem Kurbetrieb inbesondere von der Gebirgsjägerbrigade 23 geprägt, die an zahlreichen Auslands-Kriegseinsätzen beteiligt ist. Jährlich wird in Bad Reichenhall mit (inoffizieller) Beteiligung von Gebirgsjägern, des Oberbürgermeisters und dem 'Kameradenkreis der Gebirgstruppe' auch ein so genanntes 'Kreta-Gedenken' veranstaltet, als Jahrestag der faschistischen Besetzung von Kreta, oder jeweils Anfang Mai ein Gedenktag zur Glorifizierung der SS-Einheit 'Charlemagne', die überwiegend aus französischen Kollaborateuren bestand und gegen Partisanen kämpfte."

Die Vorgänge in der Bad Reichenhaller Kaserne wurden als  "dummer Ausrutscher" hingestellt und die Bundeswehr hat gleich Untersuchungen angekündigt. Schließlich passt das nicht so recht in das Werbebild der Bundeswehr, die ja angeblich laut Verteidigungsminister Thomas de Maizière aus "christlicher Ethik" und rein friedensschaffenden Motiven in Afghanistan ist. Mit Reichenhall erscheint aber das wahre Gesicht der auf imperialistische Kriegseinsätze getrimmten Einheiten und das Wesen seiner "Bundeswehrreform". Deren Ziel hat der Verteidigungsminister vor zwei Wochen wie folgt vorgestellt: es gelte "einsatzbereite und bündnisfähige Streitkräfte zu erhalten, die dem Stellenwert Deutschlands entsprechen".

Für die Herrschenden liegt "Deutschlands Stellenwert" in der Teilnahme am Kampf um die Weltherrschaft zwischen den großen imperialistischen Blöcken USA, Russland, China und der EU. Mit der Reduzierung der Truppenstärke von bisher rund 250.000 auf "bis zu 185.000" Soldaten soll nicht das aggressive Potential verringert werden. Im Gegenteil, gebraucht werden für künftige Auslandseinsätze zeitgleich  rund 10.000 statt bisher 7.000 Soldaten, die "durchhaltefähig" sein sollen.

Für diese verlangte Durchhaltefähigkeit ist der faschistisch-militaristische Geist des rücksichtslosen Draufgängertums Vorbild. So offen können die Militaristen das der breiten Öffentlichkeit nicht vorlegen. Denn die Bundeswehr hat angesichts des Linkstrends und antifaschistischer und antimilitaristischer Grundhaltung unter der Masse der Jugend ein großes Problem: "Von fast einer halben Million Männer, die das Verteidigungsministerium in den beiden Monaten März und April anschreiben ließ, bekundete noch nicht einmal jeder Zweihundertste höfliches Interesse", berichtet "Spiegel-Online" vom 18. Mai.

Wer die Verringerung der Wehrpflicht als Schritt zu einer Friedenspolitik angesehen hat, sollte angesichts des jüngsten Vorfalls diese Position in Frage stellen. Denn gerade mit einer kleineren, professionellen Berufsarmee lässt sich leichter eine Faschisierung der Streitkräfte durchsetzen. Und das ist ein Kernstück der Bundeswehrreform. Deshalb lehnen wir auch die Abschaffung der Wehrpflicht ab. Dabei setzt sich die MLPD auch für folgende Forderungen ein:

Kampf der Militarisierung von Staat und Gesellschaft und der Bildungs- und Kultureinrichtungen!

Für freie gewerkschaftliche und politische Betätigung in der Bundeswehr!

Kampf der Faschisierung der Bundeswehr!