Umwelt

Heiße Debatten über Umweltschutz auf dem Kirchentag

06.06.11 - Auf dem gestern zu Ende gegangenen evangelischen Kirchentag war die Umweltfrage ein heiß und kontrovers diskutiertes Thema. Ein Umweltaktivist, der zusammen mit weiteren acht Aktivisten auf dem "Markt der Möglichkeiten" einen Informationsstand aufgebaut hatte, berichtet:  

"Über die Fläche von ca. zehn normalen Infoständen hatte sich eine im wesentlichen von RWE-Mitarbeitern getragene Gruppe aufgebaut, die sich ganz bescheiden 'Die Arbeitnehmer, Gewerkschafter und Betriebsräte der energieerzeugenden Unternehmen' nannte und unverfroren Werbung für Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke mit CCS-Technik machten - als angeblicher Beitrag zum Klima- und Umweltschutz!

Während diese offene Provokation auf massive Kritik bei vielen Besuchern stieß, war der Rest der Stände im Umweltbereich eine bunte und vielseitige Mischung. Sie dokumentierten das Umweltengagement gerade auch in der kirchlichen Jugendarbeit.

Ich beteiligte mich an einem gemeinsamen Infostand von dem Düsseldorfer Kreis der Solidarischen Kirche im Rheinland,  der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) und der Bürgerbewegung für Kryorecycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz. Die beiden Schwerpunktthemen waren die Kampagne der CBG gegen Bisphenol A (BPA) und die Forderung nach einer umfassenden Kreislaufwirtschaft auf Basis von 100 Prozebnt erneuerbaren Energien bei sofortiger Stilllegung aller AKWs weltweit. Für beide Unterschriftenlisten wurden in zahlreichen teils langen Gesprächen hunderte von Unterzeichnern gewonnen.

BPA ist das Ausgangsmaterial für Polykarbonate, einem Grundstoff der Kunststoff-Industrie. Reste von BPA in Produkten wie Kinderspielzeug, Baby-Nuckler oder Lebensmittelverpackungen können in den menschlichen Organismus gelangen und schwere Störungen der Gehirnentwicklung bei Kleinkindern, zu Unfruchtbarkeit bei Männern und zu Brustkrebs bei Frauen führen. Seit 1. Juni ist der Verkauf von BPA-haltigen Säuglingsflaschen in der EU verboten. Die Unterschriftenaktion fordert ein umfassendes Verbot in allen Risikoanwendungen. 

Die Forderung nach Kreislaufwirtschaft total ist ein Kernanliegen der Bürgerbewegung, es kann realisiert werden durch die Kombination des Kryorecycling (Tiefkälte-Recycling von Altreifen, Elektronikschrott und Kunststoffen nach Professor Rosin) mit Biologisch-Mechanischen Müllaufbereitungsanlagen und sogenannten IMK-Anlagen (Integrierte Methanisierung und Kompostierung, aus biologischen Abfällen wird mit Kraft-Wärmekopplung Strom und Fernwäre gewonnen und Kompost).

An anderen Ständen wurde neben Wechsel zum Ökostromanbieter die Förderung kirchlicher Entwicklungsprojekte in Entwicklungsländern und Ökokredite vertreten. Es gab zahlreiche Stände von Anti-AKW-Gruppen, ebenso einen Infostand von Diagnose-Funk von einer mobilfunkkritischen Organisation. Insgesamt konnten zahlreiche neue Kontakte geknüpft und Interesse am Umweltratschlag geweckt werden, verbunden mit der Einladung, sich an der Gestaltung des Programms und des dortig geplanten Umweltmarkts zu beteiligen."