Umwelt

Leiharbeit und schlechte Wartung zur Steigerung der Atom-Profite

Leiharbeit und schlechte Wartung zur Steigerung der Atom-Profite
AKW in Stade an der Elbe (inzwischen stillgelegt) Foto RF

07.06.11 - In deutschen Kernkraftwerken werden einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge Tausende von Leiharbeitern eingesetzt, um gefährliche Arbeiten zu erledigen, die vom Stammpersonal nicht durchgeführt werden. Den 6.000 Beschäftigten in den Stammbelegschaften stehen über 24.000 Leiharbeiter gegenüber. Sie tauschen Brennelemente aus, reparieren Rohre in stark strahlenden Zonen und reinigen Abklingbecken. Zynisch begründen die AKW-Betreiberfirmen den Einsatz von Leiharbeitern: Die zusätzlichen Arbeitskräfte würden vor allem für die sogenannten Revisionen gebraucht, wenn die AKW wochenweise zur Wartung heruntergefahren werden.

Fast doppelt so hoch ist dabei im Vergleich zur Stammbelegschaft die Strahlenbelastung, die ein Zeitarbeiter im Schnitt im Jahr aushalten muss, wie eine Statistik der Bundesregierung belegt. Wartungsfirmen wie Siemens oder der französische Areva-Konzern setzen bei der Wartung der deutschen Atomkraftwerke bis zu 40 Prozent "Hilfskräfte" in regelmäßigen Zehn-Stundenschichten ein.

Nach Angaben von Siemens waren die Hilfskräfte auch beim Austausch sogenannter Steuerstabantriebe beteiligt, die im Notfall die Atomkraftwerke abschalten sollen. Um die Kosten für den Reaktorbetrieb zu reduzieren und die Profite zu steigern, wurden zudem die jährlichen „Revisionszeiten“, bei denen einzelne Anlagenteile überprüft und repariert werden, immer stärker verkürzt.

Im Atomkraftwerk Neckarwestheim 2 wurde die Revisionszeit innerhalb von fünf Jahren von 33 Tagen auf 17 Tage reduziert. Bei der Prüfung der rund 20.000 Armaturen eines Atomkraftwerks, von denen ein erheblicher Teil als "Sicherheitsventile" zu den zentralen Sicherheitseinrichtungen gehören, plädiert Siemens für den Ausbau bzw. die Einführung einer "zustandsorientierten Instandhaltung", um "längere Service-Intervalle" zu erreichen. Das bedeutet, dass Armaturen wesentlich seltener überprüft und "bis kurz vor die Abnutzungsgrenze" eingesetzt werden.

Bei Armaturen sowie Pumpen in den Not- und Nachkühlsystemen soll nach Angaben des AKW Grohnde nur noch der Zustand einzelner Komponenten und nicht alle Systeme überprüft werden. Daraus werden dann "Schlussfolgerungen" für die anderen Armaturen gezogen, die nicht mehr geprüft werden (Angaben IPPNW). Die internationalen Atommonopole kalkulieren skrupellos Störfälle mit ein, um ihre Maximalprofite zu steigern.

Wie gefährlich Revisionsarbeiten im AKW sind, berichtet ein Kollege für "rf-news": "Ich war jahrelang beim 'Nuklearservice' der MAN tätig, auch im hoch radioaktiven Bereich als 'Manipulatorfahrer', wo wir trotz Schutzanzügen nur zehn Minuten täglich arbeiten konnten. Wir haben 'gutes Geld' verdient, aber fast alle haben die Gefahr unterschätzt. Manche Kollegen haben die 'Personendosimeter' mit denen die tägliche Strahlenbelastung gemessen wurde, heimlich entfernt, damit sie länger eingesetzt werden können.

Eines Tages verlor ich auf der Toilette viel Blut beim Wasser lassen. Nach langen Untersuchungen wurde 'Strahlenkrankheit' festgestellt, ich hatte radioaktiven Staub inkorporiert von einem Bauteil, das als 'sauber' gekennzeichnet war. Jahrelang hat mein Anwalt mit der Berufsgenossenschaft rumgestritten, meinen Beruf als Facharbeiter konnte ich nicht mehr ausführen.

Mehrere Tumore, die ich im Gesicht bekommen habe, wurden entfernt. Ich weiß, dass in meinem Körper eine Zeitbombe tickt. Wenn die Regierung jetzt die AKW bis 2022 in Betrieb lassen will, ist das ein Verbrechen an der Menschheit. Alle AKW müssen sofort stillgelegt werden."