Betrieb und Gewerkschaft

Tausende legten bei Airbus Hamburg, Bremen und Stade die Arbeit nieder

10.06.11 - 4.000 waren es in Hamburg, 2.000 in Bremen, Stade und Buxtehude, die am 8. Juni dem Aufruf der IG Metall und der Vertrauensleute zu einer Kundgebung während der Arbeitszeit folgten. Meist ruhte ab 9 Uhr die Arbeit und die Kollegen sammelten sich in den Produktionshallen, aber auch Büros. So zogen in Hamburg Tausende auf den Platz vor dem Haupteingang. Die Auszubildenden nahmen nahezu geschlossen teil und hatten "gelbe Karten" für die Werksleitung mitgebracht.

Vor der Bühne kam es immer wieder zu Sprechchören "Sauer muss weg – es hat keinen Zweck" (Sauer ist der Personalchef bei Airbus Hamburg). Es kam eine hohe Einheit von "Festen" und "Leihern" zum Ausdruck. Und eine wachsende Zahl von Angestellten, Meistern, Technikern und Ingenieuren haben sich beteiligt! Nach ca. einer Stunde wurde die Kundgebung beendet – aber vielen Kollegen war anzusehen: "Das war nur der Anfang!"

Hintergrund der wachsenden Kampfbereitschaft vieler Flugzeugbauer bei Airbus ist eine enorm gestiegene Arbeitshetze, eingeleitete Erhöhung der Taktrate von 36 auf 42 Flieger allein bei der A 32-Serie, immer mehr Samstagsarbeit und eine Anforderung der Airbusbosse auf eine 5-prozentige Steigerung der Produktivität jährlich.

Werden die 5 Prozent Steigerung im Jahr nicht erreicht, sollen die Beschäftigten auf Teile des Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten! Seit Wochen werden an verschiedenen Bauplätzen und Produktionshallen Überstunden verweigert, "Dienst nach Vorschrift" gefahren und immer wieder gibt es Pausenversammlungen der Kolleginnen und Kollegen.

Die IG Metall und der Betriebsrat fordern in dieser Situation einen "Zukunftstarifvertrag", dessen Kern eine "Beschäftigungsgarantie" bis 2020 ist. Auch wenn darin richtige Einzelforderungen wie nach Erhöhung der Ausbildungsquote auf 8 Prozent und unbefristete Übernahme aller Auszubildenden enthalten sind – so gibt es doch einen gewaltigen Pferdefuß: alles soll an die "Wettbewerbsfähigkeit", Steigerung der Produktivität gekoppelt werden. Der stets wachsende Maximalprofit des Airbus-Konzerns soll nicht angetastet werden!

Die Kollegenzeitung "Flugzeugbauer" nahm Stellung: Über 600 Exemplare gingen bei der Hamburger Kundgebung weg wie warme Semmeln. Dort heißt es zum Stichwort "Wettbewerbsfähigkeit": "… aus der Ausbeutung unserer Arbeitskraft soll noch mehr herausgeholt werden. Das geht zudem davon aus, dass 1. die Konkurrenz aus dem Feld geschlagen wird, was vor allem deren Belegschaft trifft, und 2. die Luftfahrt mit ihrer rückständigen Antriebstechnologie auf Kosten der Umwelt weiter ausgedehnt wird, anstatt umweltfreundliche Antriebe z.B. auf Wasserstoffbasis zu entwickeln, darauf umzustellen und zu produzieren. Ist es nicht längst an der Zeit, dass unsere Leiharbeiter sofort übernommen werden?! Wir fordern 10 Prozent Ausbildungsquote und die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden entsprechend ihrer Ausbildung! Für die Schaffung tausender neuer Arbeitsplätze durch die Durchsetzung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!"

Die Kundgebung war auch von viel Nachdenklichkeit geprägt. Noch überwiegt bei der Mehrheit der Kollegen eine gewisse Hoffnung in eine  "Beschäftigungssicherung". Die bittere Erfahrung vieler Belegschaften ist aber, dass solche Verträge kaum das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben sind.

Genossen und Freunde der MLPD warben unter den Streikenden für das neue Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution". Ca. 300 Flyer zu dem Buch wurden interessiert genommen. Hier hat die Ansprache ins Schwarze getroffen: "... und das ist die Rote Karte für die Airbus-Bosse, mit dem Handbuch gleich dazu" . Flugzeugbauer werden auf dem Pfingstjugendtreffen weiter über diese Auseinandersetzung berichten, unter anderem im Treff Wasserkante der Flugzeugbauer und Hafenarbeiter.