Umwelt

Vor drei Monaten Super-GAU in Japan

Vor drei Monaten Super-GAU in Japan
Demonstration in Tokio am 11. Juni (Handy-Upload RF-Korr.)

14.06.11 - Vor drei Monaten, am 11. März, kam es in den Reaktoren des AKW Fukushima zum Super-GAU. An diesem Wochenende demonstrierten in 129 Städten Japans und 11 angrenzenden Ländern Tausende Menschen gegen die Atompolitik. In Tokio zogen über 6.000 Menschen vor den Firmensitz von AKW-Betreiber Tepco und bezeichneten ihn in Sprechchören als Lügner. Von Hunderten Polizisten wurden sie in kleine Gruppen aufgesplittert. Trotz von den bürgerlichen Medien international koordinierten Lügen und Desinformationen müssen immer neue Fakten über die katastrophalen Folgen des Super-GAU gemeldet werden.

Am 12. Juni teilte Tepco mit, dass an 11 verschiedenen Stellen im Boden und Grundwasser der beschädigten Reaktoren 1 und 2 das gefährliche Element Strontium 90 festgestellt wurde. Der Körper lagert Strontium vorwiegend in den Knochen und im Knochenmark ein. Es löst Leukämie und Tumore aus. Mit einem herkömmlichen Geigerzähler lässt sich Strontium 90 im Körper nicht nachweisen. Es hat eine "Halbwertzeit" von 29 Jahren, die biologische Halbwertzeit beträgt 17,5 Jahre. Das bedeutet: Erst nach dieser Zeit hat der Körper die Hälfte des radioaktiven Elements auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden. Mit einer ("offiziell" gemessenen) Konzentration bis zum 240-Fachen des erlaubten Grenzwertes ist diese enorm hoch.

Offensichtlich dringen durch die von Tepco inzwischen eingeräumte Kernschmelze ungehindert radioaktive Substanzen in den Erdboden ein, was ein Hinweis darauf sein kann, dass die Reaktorhülle durchgeschmolzen ist. Atombehörden, Regierung und Betreiber können nicht mehr leugnen, dass die radioaktive Verseuchung immer katastrophaler wird.

Die Fischer in der Region rund um Fukushima müssen die von ihnen gefangenen Fische und Meeresfrüchte direkt nach dem Fang "entsorgen", da diese radioaktiv verseucht sind. Schon wenige Wochen nach dem Super-GAU wurden im Grundwasser der 13-Millionen-Metropole Tokio radioaktive Substanzen gefunden. Auch die Muttermilch stillender Frauen erwies sich als teilweise verstrahlt.

Meldungen, wie sich das entwickelt hat, fallen im Interesse der internationalen Atommonopole der Zensur zum Opfer. In der letzten Woche war im grünen Tee der Teeanbau-Provinz Shizuoka, die Hunderte von Kilometern vom AKW Fukushima entfernt liegt, ebenfalls radioaktive Strahlung gemessen worden. Die Behörden mussten inzwischen zugeben, dass frühere Ladungen eventuell ebenso belastet waren. Zunächst hatte die Präfektur Shizuoka den in Tokio ansässigen Mail-Order-Händler aufgefordert, die Entdeckung nicht publik zu machen.

Nachdem die Nachricht an die Öffentlichkeit drang, wurde damit begonnen, Teeauslieferungen in alle Welt zurückzurufen. Shizuoka exportiert jährlich 35.000 Tonnen Tee. Bereits nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl waren türkische Teeanbaugebiete an der Schwarzmeerküste (nahe der Stadt Trabzon) durch den radioaktiven Niederschlag betroffen worden. Tausende Bauern und Dorfbewohner sind in den Jahren danach an Krebs erkrankt, weil die Regierung behauptet hat, man könne den Tee ohne Bedenken genießen.

Auf verbrecherische Art und Weise werden die Folgen der Atomkatastrophen verharmlost. Nur eine weltweite Widerstandsbewegung kann die Atompolitik zu Fall bringen!