Politik

Umstrittene Papstreise

02.07.11 - Im September will Joseph Ratzinger eine Deutschlandreise unternehmen. Er ist seit fünf Jahren als Papst Benedikt XVI. unumschränktes Oberhaupt der katholischen Kirche. Neben Erfurt und Freiburg will er auch Berlin einen Besuch abstatten und dort am 22. September im Bundestag eine Rede halten. Das ist schon Monate zuvor heftig umstritten. Proteste kommen von verschiedenen Kirchenkritikern und freigeistigen Organisationen. Verbände der von der katholischen Kirche seit jeher diskriminierten Lesben und Schwulen wollen am 22. September in Berlin demonstrieren. Der SPD-Abgeordnete Rolf Schwanitz fordert den Boykott der Papst-Rede im Parlament und Rücksicht auf die in der Verfassung beschworene „religiöse Neutralität“ des Staates.

Tatsächlich ist die Rede des reaktionären Papstes eine Kampfansage an alle demokratisch eingestellten Menschen. Dieser Papst war schon in seiner Zeit als Münchner Kardinal ein glühender Verfolger und Unterdrücker fortschrittlicher Regungen in der katholischen Kirche und ging zum Beispiel gegen die Vertreter der besonders in Lateinamerika populären „Theologie der Befreiung“ als selbstherrlicher Inquisitor vor. Mit der Macht seines Papstamtes nahm er den Leugner der Verbrechen des Hitlerfaschismus, Williams, und seine Gesinnungsgenossen wieder in die Kirche auf, aus der sie wegen ihrer faschistischen Ansichten ausgeschlossen worden waren. Eisern hält er an den rückschrittlichsten Kirchenriten fest. Im katholischen Alleinvertretungsanspruch ist ihm eine ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Religionen ein Gräuel. Den Zölibat – die erzwungene Ehelosigkeit katholischer Priester - verteidigt er mit Zähnen und Klauen. Er ist tief verstrickt in die Praktiken der Kirche, überführte Kinderschänder klammheimlich wieder in andere Gemeinden zu versetzen. Er verweigert AIDS-Infizierten den Schutz mit Kondomen – es sei denn, sie seien verheiratet. Besonders krass ist seine Frauenfeindlichkeit. Nicht nur gegen Geburtenplanung und Schwangerschaftunterbrechungen droht er mit Höllenstrafen. Nicht einmal in kirchlichen Ämtern räumt er Frauen verantwortliche Positionen ein.

Allerdings gibt es auch innerhalb der katholischen Kirche zahlreiche Proteste gegen diesen Kurs und es kehren mittlerweile immer mehr Katholiken der Kirche den Rücken. Nach jeweils über 120.000 Austritten 2008 und 2009 waren es im vergangenen Jahr zwischen 180.000 und 200.000 Katholiken, die aus der Kirche austraten. Ob die bürgerlichen Parteipolitiker in Berlin mit ihrer Einladung an den Papst ihr eigenes angeschlagenes Ansehen noch einmal mit Weihrauch umhüllen wollen? Sie jammern ja schon lange über den „Wertezerfall“ in unserer Gesellschaft. Jedenfalls lassen sie sich – oder besser gesagt den Steuerzahler – den hohen Besuch etwas kosten. Allein der baden-württembergische Landesetat rechnet mit fünf Millionen Euro Kosten für die Einsätze von Sicherheits- und Ordnungskräften und die Herrichtung des Freiburger Flughafengeländes für den Papstbesuch. Während bürgerliche Politiker in Deutschland oft genug sich über andere Länder erheben, die keine Trennung von Kirche und Staat haben, wird dieses Prinzip in Deutschland ebenfalls mit Füßen getreten.

Die Arbeiterbewegung tritt seit eh und je für eine konsequente Trennung von Kirche und Staat ein. Religion und kirchliche Zugehörigkeit muss Privatsache sein – und dann aber auch privat finanziert werden, statt über Kirchensteuern und vielfältige andere Subventionen. Dann müsste der Papst seine Reisen aus eigener Tasche bezahlen – und im Parlament auf der Zuschauertribüne Platz nehmen.