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"Ackerland ist besser als Gold": Profitgier macht vor Landraub nicht halt

03.07.11 - Auf der Suche nach Maximalprofit bringenden Anlagemöglichkeiten betreiben die internationalen Agrar-, Chemie- und Lebensmittelmonopole einen gigantischen Landraub in Afrika, Asien, Südamerika und Osteuropa. Sie kaufen Ackerland zu Schleuderpreisen und zerstören die ursprünglich dort ansässige Landwirtschaft u.a. mit Dumpingpreisen und umweltzerstörenden Anbaumethoden.

In Rumänien, Bulgarien, der Slowakei, Litauen, der Moldaurepublik und der Ukraine sind internationale Agrarfirmen und Anlagefonds derzeit dabei, Land zu kaufen und die Erträge zu steigern. Unter ihnen sind staatliche und halbstaatliche Investoren aus China und den arabischen Golfstaaten, die auf den billigst erworbenen Ländereien Lebensmittel zum Import in ihre Länder anbauen lassen. Bisher waren in Rumänien noch rund ein Drittel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig. Diese Kleinlandwirte finden sich zunehmend als Bedienstete der Agrarkonzerne wieder, die es auch der niedrigen Löhne wegen in die Region zieht. Bereits 12% des bebaubaren Bodens sind in Rumänien verkauft. Die chinesische Tianjin-State-Farms-Agri-Business-Gruppe will 10.000 Hektar Land in Bulgarien kaufen und dort Futterpflanzen für die Fleischproduktion kultivieren, ausschließlich für den Import nach China.

Der US-Finanzinvestor Blackstone kaufte – getarnt duch mehrere Subunternehmen und Tochterfirmen – im Südwesten Kameruns 70.000 Hektar Land. Hier soll eine der größten Palmölplantagen mitten im Urwald entstehen, für die Spritproduktion. Während sich weltweit der Hunger ausbreitet, wird auch hier wertvolles Ackerland für die Produktion nachwachsender Brennstoffe missbraucht. Umweltschützer kamen Blackstone auf die Schliche und kämpften gegen das Projekt. 61 Organisationen und Wissenschaftler schildern die katastrophalen ökologischen Auswirkungen der geplanten Palmölplantage. Die Einwohner, die bisher die Wälder nutzten, würden vertrieben. In Tansania verlangte ein amerikanisches Agrarunternehmen, dass ein Flüchtlingscamp mit 160.000 Menschen aufgelöst werden müsse, bevor Investitionen in Höhe von 700 Millionen Dollar getätigt werden.

Die höhere Produktivität in der Landwirtschaft kommt weder den Menschen in den Ländern zugute, wo das Ackerland liegt, noch denen, die die importierten Lebensmittel kaufen müssen. Sie ist zum Kampfmittel geworden, um die Landwirtschaft kleinerer Länder durch Dumpingpreise zu zerstören und gezielt künstliche Knappheiten zu erzeugen, die dann wiederum die Preise hochtreiben. Das wiederum heizt die Spekulation an. Umweltkatastrophen und Ernteausfälle beleben das Geschäft an den Börsen.

So sagte Philippe Heilberg, ein US-Investor, der vor drei Jahren in Südsudan 400.000 Hektar Land zu einem Niedrigstpreis pachtete, angesichts der politischen Lage in Sudan: „Wenn Sie richtig auf die Verschiebung von Souveränität wetten, dann sind Sie auf der richtigen Seite. Ich schaue ständig auf die Karte und suche, wo Wert entsteht.“ Die Spekulation mit Ackerland und Lebensmitteln, Grundbedürfnissen der Menschheit, verspricht riesige Gewinne. Es wird geschätzt, dass allein im Jahr 2009 Ländereien so groß wie die Türkei billig eingekauft, d.h. geraubt worden sind. Der US-Finanzinvestor Warren Buffett sagt nicht umsonst, Ackerland sei besser als Gold.

Weltumspannende Bewirtschaftung großer Ländereien, die der kleinbäuerlichen Produktion ja in der Tat überlegen ist, könnte die gesamte Weltbevölkerung gut ernähren und die Einheit von Mensch und Natur wieder herstellen und höherentwickeln. Die Herrschaft von 500 Übermonopolen, die das verhindert, muss gestürzt werden.  

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