Betrieb und Gewerkschaft

Hermes an der Tür

Bruchsal (Korrespondenz), 30.06.11: Ich sitze am Schreibtisch. Plötzlich klingelt es an der Tür. „Hier kommt Hermes“. Es ist nicht der griechische Götterbote, sondern der deutsche Zustellservice.

„Ein Päckchen für Sie.“ Ich nehme an und frage: „Na wie läuft der Job bei der Affenhitze?“ „Bei dieser Hitze ist es schon beschwerlich. Die ganze Arbeit für einen Hungerlohn. Ich bekomme 0,50 Euro für ein Päckchen. Das Auto muss ich selbst bezahlen, ebenso Benzin. Krankenversichert bin ich zum Glück bei meiner Frau. Neulich hatte ich einen Leistenbruch. Der Arzt wollte mich zwei Wochen krank schreiben. Meine Chefin drohte mir, dass nach einer Woche der Job weg ist.“ Er holt tief Luft und wartet auf meine Antwort. „Das ist wie moderne Sklaverei. Man arbeitet Tag für Tag und kann kaum davon leben. Ich bin montags immer auf der Montagsdemonstration. Da wird über Hartz IV, Minijobs, Leiharbeit usw. diskutiert. Genau das Thema.“ Für den Hermesboten ist die Montagsdemo etwas neues, es gefällt ihm. Wir verabschieden uns freundschaftlich. Bis zum nächsten Päckchen, dann geht das Gespräch weiter.