Betrieb und Gewerkschaft

MAN-Übernahme durch VW verschärft den internationalen Konkurrenzkampf

MAN-Übernahme durch VW verschärft den internationalen Konkurrenzkampf
Endmontage im MAN LKW-Werk München (rf-foto)

05.07.11: Für 3,4 Milliarden Euro hat VW durch Aufkauf von 36 Millionen Stammaktien nun eine Aktienmehrheit von ca. 56 Prozent bei MAN, einem der führenden europäischen internationalen Konzerne. MAN wird in den nächsten zwei Jahren als DAX-Konzern verschwunden sein, die weltweit 47.700 Beschäftigten in teils sehr kampferprobten Belegschaften werden die 399.400 Beschäftigten von „VW International“ verstärken. Ein großes Potential für den internationalen Kampf der Arbeiterklasse und die Vorbereitung der internationalen, sozialistischen Revolution.

Die Strategie von VW ist, mit dem Nutzfahrzeugbereich von MAN und Scania, das bereits zu 75 Prozent VW gehört, die Ausgangsposition für die Schlacht um die Weltmarktführerschaft in der Automobilindustrie vom Kleinwagen bis zum Schwerst-LKW und Militärfahrzeugen entschieden zu verbessern. Mit dem verschärften internationalen Konkurrenzkampf müssen sich derzeit viele Belegschaften in der Automobilindustrie auseinandersetzen. MAN ist beim „Ranking“ (Rangliste) der gegenwärtig 16 namhaften, internationalen Nutzfahrzeughersteller auf Platz acht mit 76.000 verkauften LKW, gemeinsam mit Scania machen sie Volvo Trucks, zu dem u.a. die LKW-Sparte von Renault und Nissan gehört, die Position auf dem Weltmarkt streitig.

Der internationale Konkurrenzkampf wird durch die Übernahme von MAN kräftig angeheizt. Insbesondere auf den Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien versuchen die internationalen Automobilkonzerne Land zu gewinnen. Das stark steigende Güteraufkommen in China wird zu 75 Prozent mit LKW abgewickelt. MAN hat mit 25 Prozent Anteil am chinesischen LKW-Hersteller Sinotruck Zugang zum chinesischen Markt und den Exporten von Sinotruck nach Russland, den GUS-Staaten und Afrika.

VW hat in China in der PKW-Fertigung ein „Joint Venture“ (Beteiligungsunternehmen) mit FAW  "First Automotive Works" (Autofabrik Nummer eins). FAW ist mit 200.000 verkauften LKW weltweit zweitgrößter Nutzfahrzeughersteller nach Daimler. In Brasilien ist „MAN Latin America“ durch Übernahme der „VW-Nutzfahrzeuge“ im Januar 2009 Marktführer für Nutzfahrzeuge mit 56.000 produzierten LKW. Weitere „Joint Ventures“ bestehen mit indischen und russischen LKW-Firmen.

Durch die Übernahme von MAN ist VW auch in großem Stil in die Rüstungsproduktion eingestiegen. Sowohl über Sinotruck in China, als insbesondere durch die 2010 gegründete „Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH“ mit Standorten in Kassel, Steyr (Österreich) und Wien. Hier werden gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge gefertigt, die von den imperialistischen Streitkräften u.a. im Afghanistankrieg eingesetzt werden, wie der Schützenpanzer Puma oder das Transportfahrzeug „Boxer“.

Vor der Übernahme durch VW wurde MAN in den letzten Jahren regelrecht „ausgebeint“. Die Raumfahrtsparte (Ariane-Weltraumrakete) und MAN Roland, Weltmarktführer bei Zeitungsdruckmaschinen wurden ebenso verkauft wie MAN Ferrostaal, ein international führender Anlagenbauer vorallem der Öl- und Gasindustrie. MAN Diesel (Schiffsmotoren) und MAN Turbo (Kompressoren und Turbinen) wurden zu MAN Diesel&Turbo fusioniert, einem profitträchtigen Filetstück von dem nicht anzunehmen ist, dass es über längere Zeit im VW-Konzern verbleiben wird.

Die MAN-Kollegen sind wachsam, haben sie doch die Erfahrung gemacht, dass alle Versprechungen der Vorstände, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben, leeres Gerede sind. Betrügerisch ist davon die Rede "Synergien" zu nutzen. Das ist nichts anderes, als durch Zentralisierung von Bereichen Arbeitsplätze zu vernichten, um die Maximalprofite zu steigern. Ausgliederung der Busfertigung bei MAN Salzgitter, Produktionsverlagerungen nach Polen und in die Türkei, das alles hat bereits Hunderte von Arbeitsplätzen gekostet. Erst Mitte 2009 wurden bei MAN Diesel im dänischen Frederikshavn 500 Kollegen entlassen. Die Belegschaft von MAN ist herausgefordert, die Übernahme durch VW auch als Stärkung ihrer eigenen Kampfkraft zu erkennen und sich mit den Belegschaften von VW eng zusammen zu schließen.