Politik

Altersarmut in Deutschland wächst

Altersarmut in Deutschland wächst
Die Versorgung der Arbeiter und Angestellten im Alter, bei Krankheit oder in der Arbeitslosigkeit sind lebensnotwendige Aufgaben im Kampf der ganzen Arbeiterklasse. (rf-foto)

12.07.11: In Deutschland steigt die Altersarmut gravierend. Für viele reicht die Rente nicht mehr zum Leben. Über drei Millionen Rentner sind laut Sozialverband VdK arm oder von Armut bedroht, oder sie leben am oder unter dem Existenzminimum. Eine wachsende Zahl von Senioren ist auf staatliche Hilfe angewiesen, die so genannte „Grundsicherung“. Waren es im Jahr 2000 offiziell noch 439.000 Menschen, stieg diese Zahl bis 2009 bereits auf offiziell 764.000 Menschen an, eine Dunkelziffer nicht mitgerechnet. Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung hat, gilt hierzulande als arm. Damit beginnt Armut in der BRD bei 935 Euro. Ein männlicher Erstrentner kommt in Westdeutschland derzeit laut "Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung" im Schnitt auf eine Rente von 820 Euro.

Hat ein Rentner weniger als 742 Euro zur Verfügung, kann er die "Grundsicherung im Alter" beantragen. Eine Art Hartz IV für Senioren. Manuela Anacker vom VdK in Düsseldorf schildert ihre Erfahrungen: "Es ist traurig und erschreckend, wenn alte Menschen in unseren Beratungen sagen, sie wissen nicht, ob sie das Brot oder das Medikament kaufen sollen...Es ist bedrückend, dass sich Ältere oft keine Brille, Zahnersatz oder Vorsorge mehr leisten können", Pflegebedürftigkeit ist ebenfalls ein Armutsrisiko: Das Geld reiche oft nicht, um ambulante Pflegedienste oder Haushaltshilfen im benötigten Umfang zu bezahlen, trotz Pflegeversicherung. (ftd-online, 10.07.11).

Durch die Ausweitung des Minilohnsektors und den Lohnraub von Monopolen und Staat wird die Armut im Alter zunehmen. Minilohn führt zur Minirente. 1996 machte die gesetzliche Rente nach 45 Jahren Einzahlung 70 Prozent des letzten Bruttogehalts aus, 2030 werden es nur noch 43 Prozent sein. „Geringverdiener“ können sich auch keine zusätzliche Altersvorsorge leisten. Zusätzlich belastend wirkt die anhaltende Inflation, die Steuern und die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die von den Senioren zu zahlen sind. Der Wert der Renten ist seit 2001 real um sieben Prozent gefallen.

Mit der Rente ab 67 haben SPD und CDU seinerzeit eine offene Rentensenkung zu Gunsten der Unternehmerprofite durchgesetzt. Für Millionen bedeutet das nichts anderes als Rentenabzüge und Altersarmut. Dass die steigende Lebenserwartung von der Bundesregierung und den Monopolen zum Problem erklärt wird, offenbart den ganzen menschenfeindlichen Charakter der kapitalistischen Gesellschaft. Mit den Hartz-Gesetzen wurde eine Reservearmee von Arbeitslosen und Niedriglöhnern geschaffen, um das allgemeine Lohnniveau zu senken. Im Bereich der Gewerkschaft Ver.di wurden schon 130 Tarifverträge erpresst mit Löhnen unter 6 Euro in der Stunde.

Wenn allerdings jetzt das Rententhema missbraucht werden soll, um die Behauptung aufzutischen, dass eben alle in diesen Zeiten sparen müssten, dann sollte man auf die Lage der Minderheit von Rentnern hinweisen, deren Altersversorgung mehr als "gesichert" ist. Manager der DAX-Konzerne erhielten doch 2010 durchschnittlich 4,5 Millionen Euro, gut 20 Prozent mehr als im Krisenjahr 2009. Bereits ein einfaches Vorstandsmitglied kassierte durchschnittlich 2,9 Millionen Euro - auch das rund ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr.

Die Versorgung der Arbeiter und Angestellten im Alter, bei Krankheit oder in der Arbeitslosigkeit sind lebensnotwendige Aufgaben im Kampf der ganzen Arbeiterklasse. Gegen die zunehmende Verarmung der Werktätigen müssen höhere Löhne und Gehälter durchgesetzt, Rente mit 67 und die Hartz-Gesetze durch den Zusammenschluss von Arbeiter- und Volksbewegung gekippt werden.