Umwelt

Ostafrika: Über zehn Millionen vom Hungertod bedroht

16.07.11 - In Ostafrika, vor allem in Kenia, Äthiopien und Somalia, leiden zehn bis zwölf Millionen Menschen unter den Folgen der schwersten Dürre seit 60 Jahren. Nachdem zwei Mal die Regenzeiten ausgefallen sind, sind die Früchte auf den Feldern vertrocknet, und das Vieh verhungert oder verdurstet. Die Lebensgrundlage der Menschen ist zerstört. Zehntausende Familien fliehen vor dem Hungertod aus ihrer Heimat.

Sie ziehen tagelang zu Fuß durch ausgetrocknete Landschaften, um in überfüllten Flüchtlingslagern der Vereinten Nationen Rettung zu finden. Die drei Flüchtlingslager in Dadaab im Osten Kenias, ursprünglich für 90.000 Menschen gedacht, sind unterdessen mit fast 400.000 Menschen völlig überfüllt. Und täglich kommen Tausende neue erschöpfte Flüchtlinge. Viele Alte, Kranke und Kinder sterben schon unterwegs. Viele Kinder sind so unterernährt, dass auch Infusionen sie nicht mehr retten können (Antoine Froidevaux von „Ärzte ohne Grenzen“). "Die Todesrate in den Camps ist schockierend", erklärte ein Mitarbeiter der amerikanischen Agentur für Internationale Entwicklung (USAID). Allein in Kenia schweben mehr als 65.000 Kinder in akuter Lebensgefahr.

Diese Hungerkatastrophe ist kein Ergebnis unabwendbarer Naturereignisse. Sie ist eine schreiende Anklage an das menschenverachtende kapitalistische System. Warum?
Erstens: Die Zunahme dramatischer Dürren in Ostafrika in den letzten 30 Jahren hängt eng mit der vor allem von den Riesenkonzernen der imperialistischen Länder verursachten globalen Erwärmung zusammen. Der Indischen Ozean hat sich dadurch bereits jetzt um durchschnittlich 2 Grad erwärmt. Das erschwert die Bildung von Monsunregen erheblich und ist die wesentliche Ursache für das wiederholte Ausbleiben der Regenzeiten am Horn von Afrika.
Zweitens: Großinvestoren aus imperialistischen Ländern kaufen oder pachten u.a. in Kenia und Äthiopien immer mehr Ackerland. Die Bauern wurden dafür von den Regierungen vertrieben. In Äthiopien werden auf riesigen Flächen Blumen für den europäischen Markt, in Kenia statt Getreide und Feldfrüchte massenhaft Kaffee, Tee usw. für den Export angebaut. Die Kleinbauern werden dagegen ruiniert, weil ihre an sich fruchtbaren Felder unzureichend bewässert werden.

Die vom Imperialismus abhängigen Länder wurden durch knebelnde Kreditverträge erpresst, ihren Markt für Importe von Lebensmitteln der großen Nahrungsmittel- und Agrarmonopole zu öffnen, die die Preise ständig nach oben treiben. Außerdem werden künstlich Knappheiten erzeugt, durch die die Preise der Lebensmittel spekulativ explodieren. In Kenia kostet heute ein 90-Kilo-Sack Mais 4.000 kenianische Schilling, der noch vor einem Jahr 1.500 Schilling gekostet hat. Ohne massive Spenden für Hilfsorganisationen werden viele Menschen in Ostafrika die Katastrophe nicht überleben. Für eine erste Linderung wären rund 500 Millionen US-Dollar bis Ende des Jahres nötig. Zwar haben die imperialistischen G8-Staaten schon vor Jahren für einen "Treuhand-Fonds der Industriestaaten gegen den Hunger" 20 Milliarden Dollar versprochen. Aber nie wurde etwas eingezahlt. „Das heißt, wir müssen trotzdem mit dem Hut von Regierung zu Regierung laufen“, so der Sprecher des Welternährungsprogramms in Deutschland Ralf Südhoff.

Die Hungerkatastrophe in Ostafrika und die Explosion des Hungers in der ganzen Welt bei gleichzeitigen Rekordernten zeigt die tiefe Verfaultheit des kapitalistischen Weltsystems. Angela Merkel hat in Kenia gerade mal 1 Million Hilfe zugesagt! Die Völker der Welt können keine nachhaltige Hilfe von den Imperialisten im Kampf gegen den Hunger erwarten - sie können ihn nur überwinden, wenn sie sich aus den Klauen des international allein herrschenden Finanzkapitals befreien, das mit den Nahrungsmittel- und Agrarmonopolen eng verflochten ist.