Umwelt

Vier Monate nach dem SuperGAU: Wir werden Fukushima nicht vergessen

11.07.11 - Genau vier Monate nach den einsetzenden Kernschmelzen in mindestens 3 Atomreaktoren in Fukushima denken die AKW-Betreiber weltweit noch lange nicht, von der nicht beherrschbaren Atomenergie die Finger zu lassen. Mehr als 200 Millionen Euro zahlt Deutschland in diesem Jahr an die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Diese dient der Absicherung der Förderung von Atomprojekten mit Millionenkrediten. Die Kapazität der Wiederaufbereitungsanlage in Gronau soll bis Ende des Jahres von derzeit 3.600 auf 4.500 Tonnen Urantrennarbeit ausgebaut werden. Damit könnten etwa 30 Atomkraftwerke versorgt werden können. Deutschland wäre in der Lage, angereichertes Uran in alle Welt zu exportieren. Eine erste Lieferadresse wäre der in Brasilien im Bau befindliche Reaktor Angra 3. Die schwarz/gelbe Regierung hat ihre Hermesbürgschaft für ihn in Höhe von rund 1,3 Milliarden Euro nicht storniert. So sieht also das Merkelsche Umdenken in der Energiefrage aus? Der Verein "Bürgerbewegung für Kryo-Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz e.V." hat aus aktuellem Anlass eine Erklärung herausgegeben. Darin heißt es u.a.:

"Die Atomkatastrophe in Fukushima ist aus den Schlagzeilen verschwunden. 4 Monate nach den Kernschmelzen in mindestens 3 Atomreaktoren in Fukushima wollen uns die Medien einschläfern, als wäre die Atomkatastrophe "unter Kontrolle" und in trockenen Tüchern. Wir aber wissen: Die Atom-Katastrophe in Japan dauert an, die Situation in den betroffenen AKWs ist nach wie vor sehr kritisch und entfaltet sich weiter – mit immer neuen Schreckensnachrichten.

(...) Tepco hat das zerstörte Atomkraftwerk bis heute nicht im Griff. Entgegen seiner Selbstdarstellung, alles sei auf dem Wege der Besserung. (...) Tausende Menschen im Umkreis von Fukushima sind Opfer dieser verbrecherischen Politik von Tepco und der japanischen Regierung  geworden. Sie mussten ihr bisheriges Leben für immer aufgeben, haben ihre Existenzgrundlage mit einem Schlag verloren und müssen auf Dauer mit der Kontamination leben.  Es leben noch immer 90.000 Menschen in Lagern. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist teilweise schwierig.  Auf den Feldern wuchert das Unkraut. Sie sind  verseucht mit radioaktiven Strahlen aus der Atomruine . 600 Quadratkilometer Boden sind so verseucht wie in Tschernobyl. Das fischreiche Meer vor Fukushima ist verstrahlt und Fisch ist ein Grundnahrungsmittel in Japan. Notfallarbeiter, in der Regel Leiharbeiter, setzen im zerstörten Atomkraftwerk noch immer ihr Leben und ihre Gesundheit aufs Spiel, so wie einst die Liquidatoren von Tschernobyl.

Erfolg und fauler Kompromiss
Am 30.06.2011 beschloss der Bundestag, dass schrittweise bis 2022 alle Atomkraftwerke in Deutschland ausgeschaltet werden. Dies ist ein Erfolg von Hunderttausenden, die mit ihrem  Widerstand in den letzten Wochen die Regierung und Energiekonzerne zu diesem Zugeständnis gezwungen haben. Ein Etappensieg - aber gleichzeitig auch ein fauler Kompromiss, denn die lebensgefährlichen AKW sollen noch bis 2022 weiterlaufen.  (...)
Die beschlossenen Gesetze sind nicht akzeptabel. Sie sind eine Unterordnung unter die Energiekonzerne. (...) Der Grünen-Parteitag stimmte dem zu und trägt damit den Betrug von der „Energiewende“ mit. Bei zunehmenden Teilen der Anti-AKW-Bewegung stoßen die beschlossenen Gesetze aber auf heftige Kritik. So ruft zum Beispiel das Aktionsbündnis Münsterland dazu auf, den Widerstand gegen die Urananreicherungsanlage Gronau und gegen die Nutzung der Atomenergie vor Ort und international weiter zu führen. (...)

Die Protestbewegung geht um die ganze Welt
Die internationale Bewegung gegen den Atomtod nimmt an Fahrt zu. Nach jüngsten Umfragen sprechen sich in Frankreich 77 % der Befragten für einen Atomausstieg aus. Am 27.06.11 demonstrierten fast 10.000 Menschen gegen das AKW in Fessenheim. Am 13.06.2011 demonstrierten in der Schweiz vor dem AKW Mühleberg in der Nähe von Bern bis zu 3.500 Menschen und forderten die sofortige Stilllegung des AKW. 94% aller Italiener haben sich  beim Anti-Atom-Referendum massiv gegen einen Wiedereinstieg ihres Landes in die Atomenergie ausgesprochen. Die Atomkatastrophe in Fukushima ist aus den Schlagzeilen verschwunden aber nicht aus den Köpfen der AKW Gegner. In verschieden Städten Deutschlands werden deshalb am 4. Monatstag Mahnwachen wie z. B. der Aktion "Strom ohne Atom" und IPPNW (internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkrieges) in Stuttgart oder Aktionen der Montagsdemos durchgeführt.

Sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke weltweit!
Für vollständige Kreislaufwirtschaft und 100% regenerative Energie!

Die ganze Stellungnahme im Wortlaut kann hier heruntergeladen werden