Betrieb und Gewerkschaft

Betriebsversammlungen der TÜV Nord Bildung: "Jetzt gemeinsam nach vorne gehen"

Bochum (Korrespondenz), 22.07.11: Am 19. Juli fanden zwei Betriebsversammlungen im Rheinland und Ruhrgebiet statt. Der TÜV Nord hat vor einem Jahr die RAG Bildung übernommen und will nun bundesweit ca. die Hälfte aller Standorte schließen (in Nordrhein-Westfalen unter anderem Bochum, Dinslaken, Kleve, Erkelenz, Geilenkirchen und Hückelhoven), 350 bis 450 Kollegen entlassen - viele über die Beendigung befristeter Verträge - und die Löhne um 15 bis 22 Prozent senken.

Ein wesentlicher Hintergrund sind massive Streichungen in Milliarden-Höhe durch die Bundesregierung bei Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose und überbetrieblicher Ausbildung. Besonderer Unmut in der Belegschaft richtet sich gegen die geplanten massiven Lohnkürzungen von bis zu 300 Euro brutto. 

Gab es auf der letzten Betriebsversammlung noch versteinerte Gesichter, haben jetzt eine ganze Reihe von Kollegen gesprochen. Ein Kollege machte die Rechnung auf: Wird er bis zum 66. Lebensjahr zu den heutigen Bedingungen weiter beschäftigt, hätte er Anspruch auf 1.050 Euro, gerade mal 130 Euro über der Altersarmutsgrenze. Das aber nur, wenn der TÜV Nord ihn nicht entlässt und keine Löhne kürzt.

Ein anderer Kollege brachte es so auf den Punkt: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir können nicht zurück. Und wenn das so ist, dann müssen wir nach vorne gehen." Vorgeschlagen ist ein gemeinsamer Aktionstag aller Standorte, eine bundesweite oder NRW-weite Betriebsversammlung und eine Unterschriftensammlung der Kollegen vom Standort Hückelhoven.

Die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen ist aber noch unentschlossen, ob es möglich ist und wir die Kampfkraft haben, den Erhalt der Arbeitsplätze auf Kosten der Profite des TÜV Nord durchzusetzen. Das war auch bei der Betriebsversammlung im Rheinland so, wo eine kleine Demonstration von Verwandten, Freunden der MLPD, von Attac und der katholischen Kirche zu Beginn ihre Solidarität ausdrückte. Es muss jetzt intensiv an den einzelnen Standorten darum gerungen werden, wie wir zu den verschiedenen Vorschlägen stehen. Diese Entscheidung kann uns keiner abnehmen.