Umwelt

USA: Übergang in Klimakatastrophe treibt tödliche Atom-Risiken voran

18.07.11 - Der Übergang in die Klimakatastrophe führt auch in den USA zu einer Zunahme extremer Wetterereignisse. Diese potenzieren die tödlichen Gefahren, die von den Atomkraftwerken und Atomversuchsanlagen ausgehen. Über das katastrophale Missouri-Hochwasser, das Tausende von landwirtschaftlichen Existenzen in der betroffenen Region gefährdet und noch bis Herbst anhalten wird, hatten wir mehrfach berichtet. 663 Quadratkilometer Land liegen in Nebraska unter den Hochwassern des Missouri und des Platte-Flusses. Das Atomkrafwerk Fort Calhoun, das seit dem 19. Juni laut offiziellen Meldungen mit einem „unusual event“ - also einem „ungewöhnlichen Ereignis“ konfrontiert ist, ist nach wie vor vollständig vom Hochwasser eingeschlossen.

Offensichtlich hat die Obama-Regierung eine Nachrichtensperre verhängt. Die Atomsicherheitsbehörde (NRC) betont, dass „alle AKW der USA konzipiert wurden, um mit den historisch größtmöglichen Überschwemmungen fertig zu werden“. Allerdings ging das AKW Fort Calhoun 1973 in Betrieb! Was war damals „historisch größtmöglich“? Das aktuelle Missouri-Hochwasser wurde verursacht durch schwere Regenfälle in Montana, Nord-Wyoming und North Dakota, die in wenigen Wochen fast die Durchschnittsmenge eines ganzen Jahres erreichten. Dazu kommt das Schmelzwasser von den verschneiten Bergen mit 140 Prozent der sonst normalen Menge. Durch die zunehmende Klimakatastrophe häufen sich in Höhe und Dauer historisch noch nie dagewesene Überflutungen. Und selbst wenn die Hochwasserpegel zeitweise sinken: Das US-Army Corps of Engineers befürchtet, dass bis zu 70 Dämme überflutet, andere durchweicht und vom Wasser gesprengt werden. In den Städten Omaha und Council Bluffs auf der anderen Seite des Missouri wurden Evakuierungspläne für rund 40.000 Menschen aufgestellt, für den Fall, dass ein Damm bricht. Damit können auch neue Flutwellen das Missouri-Hochwasser wieder kurzfristig ansteigen lassen.

Auf der anderen Seite die Brände rund um die Atomversuchsanlage Los Alamos. Hier wurden die Atombomben, die der US-Imperialismus 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abwarf, gebaut. Diese Brände kamen dem ausgedehnten Gelände von Los Alamos sehr nahe, bevor der Wind drehte und ihre Ausbreitungsrichtung änderte. Auf dem Gelände lagern 30.000 200-Liter-Kanister mit Plutonium-Abfällen und Experten befürchteten, dass sie von der Hitze des Feuer gesprengt und ihr Inhalt mit der heißen Luft übers Land verteilt würde.
Jetzt sind starke Monsunregen angekündigt. Nun wird befürchtet, dass die Sturzregen Erdreich aus den Canyons um das Gelände mit sich reißen. Diese Canyons wurden während der ersten Zeiten der Atomversuche von Los Alamos als unkontrollierte Müllkippen für die Abfälle der Anlage verwendet. Derzeit wird fieberhaft daran gearbeitet, das Erdreich abzutragen, was einen Rückschluss darauf zulässt, welche Gefahren darin lauern.

Diese Ereignisse zeigen, dass der Kampf für die sofortige Stilllegung aller AKW weltweit und der Kampf gegen die Klimakatastrophe zusammen gehören und die Notwendigkeit einer weltweiten Widerstandsfront zur Rettung der natürlichen Umwelt auf der Tagesordnung steht. Es ist ermutigend zu sehen, wie die Ablehnung der Atomenergie auch in Ländern wie z.B. Frankreich, von einer Minderheitenposition auf 77 Prozent gestiegen ist. Sehr bedeutsam ist die aktuelle Vereinbarung von ICOR (Internationale Koordinierung Revolutionärer Parteien und Organisationen) und ILPS (International League for Peoples Struggle – Internationaler Kampfbund für den Volkskampf), ab dem 1. September eine gemeinsame weltweite Kampagne für die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke durchzuführen. Sie repräsentieren Organisationen weit mehr als 100 Ländern der Welt.