Sozialismus

Eine "kannibalische Weltordnung" - Jean Zieglers "ungehaltene Rede"

28.07.11 - Seit gestern hat die UN eine Luftbrücke nach Somalia eingerichtet. Um von den Ursachen für die katastrophale Hungersnot abzulenken, wird in den bürgerlichen Medien derzeit der Blick auf "islamistische Milizen" fokussiert, die sich gegen Hilfslieferungen aus dem Westen stellen.

Die tieferen Ursachen dieser Katastrophe, von der Millionen betroffen sind, prangert dagegen Jean Ziegler in seiner "ungehaltenen Salzburger Rede" an. Jean Ziegler war viele Jahre lang UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und ist derzeit Vize-Präsident des beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats. Er sollte Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele sein, die gestern begannen – und wurde wieder ausgeladen.

Das erstaunt nicht angesichts der Kernaussagen seiner Rede. Seine Anklage: "Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet." Und sein Fazit: "Die Hoffnung liegt im Kampf der Völker der südlichen Hemisphäre, von Ägypten und Syrien bis Bolivien, und im geduldigen, mühsamen Aufbau der Radikal-Opposition in den westlichen Herrschaftsländern. Kurz: in der aktiven, unermüdlichen, solidarischen, demokratischen Organisation der revolutionären Gegengewalt. Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der Tag wird kommen, wo Menschen in Frieden, Gerechtigkeit, Vernunft und Freiheit, befreit von der Angst vor materieller Not, zusammen leben werden."

Jean Ziegler stellte seine Rede unter anderem der "Roten Fahne" zur Verfügung. Sie kann hier im vollständigen Wortlaut gelesen werden.