Betrieb und Gewerkschaft

Siemens Berlin: Ausbeutung wird enorm verschärft

29.07.11 - Seit mehreren Monaten versucht der Siemens-Vorstand, den Kollegen in den Berliner Siemens-Schaltwerken unter dem Titel "Schaltwerk 2015" den Abbau von über 1.000 Arbeitsplätzen als "Zukunftsprojekt" zu verkaufen. Nachdem der erste Begriff "Masterplan 2015" unter den Kollegen völlig verbrannt ist, ist jetzt "Schaltwerk 2015" das neue Zauberwort in einem ganzen System der Meinungsmanipulation, mit dem die Siemenskollegen tagtäglich konfrontiert sind. Hintergrund ist, dass der Vorstand ca. 60 Prozent der Produktion nach China, Indien und Russland verlagern will.

Siemens-Chef Löscher verkündete gestern, dass Siemens "gut aufgestellt" sei. Für das Ziel, den Umsatz mittelfristig auf 100 Milliarden Euro zu steigern, geht Siemens insbesondere den Weg, die Ausbeutung und Arbeitshetze enorm zu verschärfen. Nachdem sie die Kollegen erst für den angeblich "sozialvertäglichen" Abbau von rund 700 befristeten und Leiharbeitskollegen und 300 Stammbeschäftigten gewinnen wollten, sollen die Kollegen jetzt die "zeitweise" Einführung der 6-Tage-Woche in zwei Schichten im Bereich der Hochspannungsschalttechnik schlucken. Was die Flexibilisierung und Ausdehnung der Arbeitszeit für die Kollegen und ihre Familien bedeutet, haben aktuelle Studien praktisch belegt ("rf-news" berichtete gestern).

Völlig berechtigt wehren sich die Kollegen gegen die Erpressung der Geschäftsleitung zur "freiwilligen" Samstagsarbeit. So gingen diese Woche verschiedene Meister durch die Hallen und schrieben auf, mit welcher Begründung die Kollegen die Samstagsarbeit verweigern. Immer wieder sind Aussagen zu hören "Wenn ihr nicht freiwillig kommt, wird dein Arbeitsplatz und der deiner Kollegen verlagert" oder "Wenn die Kollegen nicht so viele Pausen machen würden, könnte sich Siemens die ganzen Überstunden sparen". Wieviel Pause müssten die Kollegen machen, um die über 10.000 in einem Quartal geleisteten Überstunden bei einer Belegschaft von gut 3.000 Kollegen auszugleichen?

Die Realität sieht dagegen häufig so aus, dass Siemens zur Profitsteigerung die Preisschraube gegenüber den Zulieferbetrieben nach unten dreht. Die wachsenden Liefer- und Qualitätsprobleme sollen die Kollegen jetzt ausgleichen. So wurden trotz Urlaubszeit in den letzten Wochen Kollegen immer wieder Montags oder Dienstags wegen fehlenden Materials nach Hause geschickt und gleichzeitig Samstags volle zwei Schichten gefahren. In etlichen Diskussionen, ersten Pausenversammlungen und Beratungen mit dem Betriebsrat und Vertrauensleuten bringen die Kollegen ihren Unmut zum Ausdruck und verweigern zunhemend den "freiwillgen" Samstag.

Die Forderung, als ersten Schritt sofort die befristeten Kollegen und Leiharbeiter unbefristet zu übernehmen, gewinnt an breiter Zustimmung. Für die Kollegen ist klar, wir baden nicht die Probleme in der Arbeitsorganisation aus! Wir lassen uns auch nicht erpressen oder durch das Mobbing verschiedener Meister einschüchtern. Viele Kollegen sagen, jetzt werden wir uns erst recht unterhalten, wie wir gemeinsam den Kampf gegen die Vernichtung von 1.000 Arbeitsplätzen und die weitere Ausdehnung und Flexibilisierung der Arbeitszeit aufnehmen!