Jugend

Eine halbe Million neue Azubis diese Woche ins Berufsleben gestartet

07.08.11 - Seit Anfang dieser Woche hat für hunderttausende junge Menschen der wichtige erste Schritt ins Berufsleben begonnen. Rund eine halbe Million Jugendlicher sind bereits in ihr erstes Ausbildungsjahr gestartet oder werden dies in den nächsten Wochen tun. Damit stehen für sie wichtige neue Erfahrungen und Entscheidungen an, die meist ihr ganzes Leben mit prägen werden. Nach der amtlichen Lehrstellennot vergangener Jahre ist in den Medien eine wahre Lehrstellen-Euphorie entbrannt: "Lehrstellen für alle – tausende freie Ausbildungsplätze nicht besetzt", meldet zum Beispiel die "Schweriner Volkszeitung" am 30. Juli für Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der größten Arbeitslosigkeit. Lehrstellen tatsächlich für "alle"?

Die Zahlen der Bundesarbeitsagentur sind weniger euphorisch und beim näheren Hinschauen eher ernüchternd. Tatsächlich stieg die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbiludngsstellen bis zum Beginn des diesjährigen Lehrjahrs um 40.800 auf nun wieder 446.500. Allerdings war das Lehrstellenangebot in den letzten beiden Jahren auf ein historischen Tiefpunkt gesunken. Beinahe kontinuierlich hat sich die Zahl der Lehrstellen in den letzten 20 Jahren von einst über 800.000 fast halbiert.

Neben der "guten konjunkturellen Lage" sieht die Bundes-ARGE die "verbesserten Chancen", eine Lehrstelle zu ergattern auch darin, dass die Zahl der Schulabgänger rückläufig ist. Zudem würden die Betriebe vermehrt die Lehrstellen über die ARGEn besetzen, und es sei noch nicht abzuschätzen, "inwieweit die aktuelle Zunahme der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge tatsächlich auf ein größeres Gesamtangebot an betrieblichen Ausbildungsstellen zurückzuführen sei". (BA-Ausbildungsstellenmarkt, Presse Info vom 28.07.2011) Immerhin suchen bisjetzt noch 145.800 Jugendliche vergeblich eine Lehrstelle über die Argen.

Begründet wird die Lehrstellen-Euphorie in den Medien oft mit einem allgemeinen Facharbeitermangel in Deutschland. Es ist allerdings ein Trugschluss, daraus auf eine gesicherte, unbefristete Übernahme entsprechend der Ausbildung zu setzten. Nicht nur dass nach DGB-Angaben in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr rund 908.000 Facharbeiter ihren Job verloren. Eine besonders bittere Bilanz zog noch am 20. Mai die IG Metall-Bezirkskonferenz in Nordrhein-Westfalen zur Übernahme nach der Lehre: "Schon jeder dritte junge Mensch beginnt sein Berufsleben nur noch in prekärer ungesicherter Leiharbeit, auf befristen Stellen, in Werksverträgen."

Die Azubis sind immer weniger bereit, das hinzunehmen. Seit 2005 stieg die Zahl der organisierten Azubis in der IG Metall von NRW wieder kontinuierlich auf inzwischen 18.500. Zum 1. Oktober ruft die IG-Metall-Jugend zu einem bundesweiten Aktionstag für die unbefristete Übernahme auf, mit einer zentralen Kundgebung und Demonstrationen in Köln. Auch da sind die neuen Azubis herzlich willkommen.

Ein genauso wichtiger Schritt wie der ins Berufsleben besteht darin, sich gewerkschaftlich zu organisieren, vor allem aber auch, sich mit der Perspektive einer von Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Welt im Sozialismus zu befassen und dafür einzutreten. Denn eines ist sicher: die jungen Arbeiter und Angestellten wachsen in eine Welt, die mehr denn je von der Auseinandersetzung um eine internationale sozialistische Revolution geprägt sein wird.