Wirtschaft

Arbeitsplatzvernichtung bei E.ON - mörderischer Kampf um die Beherrschung des Weltmarkts

11.08.11 - Der Energie-Konzern E.ON will weltweit bis zu 11.000 Arbeitsplätze vernichten. Zurzeit sind knapp 80.000 Arbeiter und Angestellte bei E.ON beschäftigt. Die Gewerkschaft Ver.di schätzt, dass in Deutschland rund 6.600 Stellen abgebaut werden sollen. Betroffen seien alle Verwaltungseinheiten. Außerdem sind die Werke in München, Essen und Hannover von Schließung bedroht. Ihre weiterhin benötigten Geschäftsbereiche sollen nach Düsseldorf verlagert werden. E.ON behauptet, schuld daran sei die Stilllegung von Kernkraftwerken und die Brennelementesteuer.

Das allerdings ist ein Ablenkungsmanöver und Propaganda, um Stimmung gegen die Veränderung bei der Atompolitik zu machen. Tatsächlich will sich E.ON angesichts des verschärften Kampfs der internationalen Übermonopole um den Weltmarkt "neu aufstellen". Es war von vornherein das Ziel der Privatisierung und Fusionierung der ehemals staatlichen Energiekonzerne VEBA und VIAG zur E.ON, einen weltmarktbeherrschenden internationalen Konzern zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden schon zwischen 1999 bis 2001 Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet. Bis Ende 2005 wurde E.ON zunächst durch zahlreiche Verkäufe wie z.B. von "Ruhrgas Industries" zu einem „lupenreinen Energieunternehmen“. Mit den Einnahmen aus diesen Verkäufen, mit riesigen Gewinnen und hohen Schuldenaufnahmen sagte E.ON seinen internationalen Konkurrenten den Kampf an und begann eine massive Aufkauftour. Der Konzern beschloss für 2007–2010 ein Investitionsprogramm von rund 60 Mrd. Euro, das für die Expansion zunächst vor allem in Europa vorgesehen war.

Mit dem Erwerb der Tochter des italienischen Enel-Konzern "Viesgo" erhielt E.ON erstmals Zugang zum spanischen Energiemarkt und wurde dort gleich zum viertgrößten Stromanbieter. In Frankreich wurde E.ON durch den Kauf der Endesa France/SNET und in Italien durch Endesa-Beteiligungen jeweils drittgrößter Strom- und Gaskonzern auf dem nationalen Markt. Weitere Übernahmen erfolgten vor allem in Osteuropa (u.a. der ungarische Gas- und Ölkonzern MOL) und in Russland (in Verbindung mit der Gazprom). 2009 – 2011 wurden weitere Investitionen in Höhe von rund 30 Mrd. EUR getätigt, die vor allem der Absicherung der eroberten Märkte dienten. Dafür wurde 2009 unter dem Motto "Perform to win" ("Leisten, um zu gewinnen") eine Arbeitsplatzvernichtungsrunde eingeläutet, durch die weltweit fast 6.000 Beschäftigte ihre Jobs verloren, davon 2.000 in Deutschland.

Im November 2010 verkündete der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen die neue Strategie. Unter der Losung "Cleaner & Better Energy" will E.ON nun verstärkt Märkte außerhalb Europas erobern. Als neue Zielregionen nannte er China, Brasilien, Indien und die Türkei. In den USA und Russland soll der Einfluss gefestigt werden. Für entsprechende Investitionen sind bis 2013 insgesamt 20 Milliarden Euro vorgesehen. Dazu wurde im November 2010 auch ein neues "Kostensenkungsprogramm" beschlossen. Mit "Synergieeffekten" wurde da die geplante Arbeitsplatzvernichtung bemäntelt, durch die spätestens bis 2015 die Profite jährlich um 1,5 Milliarden Euro steigen sollen.

Dieses Programm wurde jetzt noch einmal deutlich verschärft. Der Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer beschrieb die Stimmung in den Betrieben nach Bekanntwerden der Konzernpläne gestern so: "... die Leute sind in Aufruhr“. An Protesten im Jahr 2009 beteiligten sich bereits Beschäftigte aller deutschen Werke und aus zahlreichen europäischen Ländern. Protestkundgebungen werden jetzt aber nicht ausreichen - ein selbständiger Kampf wird notwendig sein, der auch konzern- und europaweit koordiniert wird. In Verbindung mit dem Kampf um jeden Arbeitsplatz könnte die Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung eine positive gemeinsame Ausrichtung sein.