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Die Rebellion der Jugend gegen die herrschenden Verhältnisse ist gerechtfertigt!

12.08.11 - Mit einem Polizei-Großaufgebot wurde gestern die Jugendrevolte in Großbritannien vorläufig gestoppt. Die britische Regierung ging mit Anwendung offener staatlicher Gewalt, Massenverhaftungen und Schnellverurteilungen dagegen vor. Allein in London gab es 820 Festnahmen und die Gerichte seien "rund um die Uhr besetzt, um Straftäter abzuurteilen" ("spiegel-online", 11.8.11). In den bürgerlichen Medien werden die Proteste bewusst kriminalisiert, die Jugendlichen unterschiedslos zu Randalierern bis hin zu Plünderern abgestempelt und die entsprechenden Bilder dafür geliefert.

Neben offener staatlicher Gewalt wird die Faschisierung vorangetrieben, der Einsatz der Armee im Innern diskutiert und faschistischen Kräften wie der "English Defence League" (EDL) und der "British National Party" wird breiter Raum gelassen. Aufrufe zur Gründung sogenannter "Bürgerwehren", die gegen Jugendliche und vor allem gegen Migranten vorgehen, werden demagogisch mit dem "Schutz von Häusern und Geschäften" begründet.

Die EDL provozierte im letzten Jahr Rassenproteste in Bradford/England und ging mit Flaschen, Steinen und Rauchbomben gegen Gegendemonstranten vor. Bezeichnend für das eiskalte und massenverachtende Vorgehen des britischen Premiers Cameron ist, wenn er die Jugendunruhen zum Anlass nimmt, den Einsatz der in ihrem Krieg in Nordirland erprobten Waffen wie Wasserwerfer und Gummigeschosse mit den Worten zu rechtfertigen: "Wir brauchten einen Gegenschlag, und jetzt ist ein Gegenschlag im Gange." ("spiegel-online", 11.8.11).

Was hier als "kriminell" abgestempelt werden soll, ist nichts anderes als die Rebellion einer wachsenden Masse der Jugend gegen ihre im Kapitalismus ausweg- und perspektivlose Situation, ihre Wut gegen staatliche Unterdrückung, ihr durchaus begründetes Gefühl, "ausgestoßen" zu sein. Sinnlose Plünderung und Randale wie Autos anzünden – wozu sich Jugendliche teilweise hinreißen ließen – ist allerdings kein Ausweg aus Ausbeutung, Unterdrückung und Perspektivlosigkeit, sondern eine Widerspieglung der Zerstörungskräfte des Kapitalismus. Schon Ende letzten Jahren protestierten in England Zehntausende Studenten gegen drastische Erhöhung der Studiengebühren – die später dennoch beschlossen wurde. Im April 2011 demonstrierten hunderttausende von Arbeitern und Angestellten in Massendemonstrationen gegen die Krisenpolitik der Regierung.

In anderen europäischen Ländern führten die Ereignisse in Großbritannien in dieser Woche zu einer Diskussion, ob solche Entwicklungen auch anderswo möglich wären. Heute wurde veröffentlicht, dass in Europa offiziell rund 5 Millionen Jugendliche ohne Arbeit sind, dass der Anteil der Arbeitslosen unter den jungen Menschen durchschnittlich bei 20,5 Prozent liegt. Und wie viele werden in "Warteschleifen" geparkt oder tauchen aus anderen Gründen gar nicht mehr in der Statistik auf? Die Rebellion der Jugend gegen die herrschenden, kapitalistischen Verhältnisse ist gerechtfertigt!