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Scotland Yard: Mark Duggan hat nicht auf die Polizei geschossen

10.08.11 - Nachdem allein in London 16.000 Polizisten eingesetzt wurden, um für "Ruhe und Ordnung" zu sorgen, hat sich die Jugendrevolte in der Nacht zum Mittwoch vor allem in anderen Städten Großbritanniens wie Birmingham und Manchester fortgesetzt. Nach offiziellen Angaben wurden bereits mehr als 1.300 Menschen festgenommen, in London sind die Gefängnisse mittlerweile überfüllt. Der britische Premierminister David Cameron verurteilte die Jugendrevolten als "widerwärtig" und drohte mit harten Gefängnisstrafen und Wasserwerfereinsatz. In Großbritannien wurden bisher außer in Nordirland noch keine Wasserwerfer gegen Proteste oder Unruhen eingesetzt.

Der Chef der faschistischen English Defense League (EDL) kündigte an, mit Trupps ihrer eigenen Mitglieder die Unruhen ersticken zu wollen, weil "die Polizei ... dazu offensichtlich nicht in der Lage" sei. Er könne nicht garantieren, dass es dabei keine gewaltsamen Auseinandersetzungen geben werde.

Um den massiven Einsatz des staatlichen Gewaltapparats zu rechtfertigen und vom sozialen und politischen Hintergrund der Jugendrevolte (siehe "rf-news" von gestern) abzulenken, werden in den bürgerlichen Medien systematisch Übergriffe von anarchistischen Kräften, Provokateuren oder auch kriminellen Elementen hochgespielt, die die Unruhen für ihre Zwecke ausnützen wollen.

Dagegen hat Scotland Yard inzwischen mitgeteilt, dass Mark Duggan - dessen Tod zum Auslöser der Jugendrevolte in Großbritannien geworden war - nicht auf die Polizei geschossen hat. Untersuchungen hätten keinerlei Beweise geliefert. Am Tatort seien keine Geschosse gefunden worden, die aus der Waffe des 29 Jahre alten Mannes stammten, hieß es. Die Polizei hatte zuvor die Situation so dargestellt, dass der Mann das Feuer eröffnet habe. Demnach soll der Polizeischütze aus Notwehr gehandelt haben, als er ihm in einem Taxi sitzend in die Brust schoss. Diese Version war von der Familie des Toten angezweifelt worden.

Ein Licht auf die ständigen Polizeiprovokationen vor allem gegen Migranten-Jugendliche gibt das Interview einer BBC-Journalistin mit dem schwarzen britischen Fernsehmoderator und Kolumnist Darcus Howe (hier das Video auf "youtube"). Darin beschreibt er, dass seine Söhne ständigen Polizeiübergriffen ausgesetzt sind. "Papa, ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft ich von der Polizei angegriffen wurde", berichtete der frühere Black-Panther-Aktivist über die Erfahrungen seiner Kinder. Die BBC-Journalistin unterbrach Howe immer wieder, unterstellte ihm sogar, selbst an Krawallen beteiligt zu sein. Howe entgegnete: "Ich war nie an irgendwelchen Ausschreitungen beteiligt. Ich war auf Demonstrationen."