Wirtschaft

Börsenkrise vertieft sich weiter

19.08.11 - Nachdem die aktuelle Börsenkrise einen ersten Höhepunkt zwischen dem 4. und 9. August (siehe "rf-news"-Bericht) hatte, kam es gestern und zu Beginn des Freitag erneut zu starken Einbrüchen an den internationalen Börsen. Am Donnerstag fiel der Deutsche Aktienindex (Dax) erneut um 5,8 Prozent, so tief wie seit dem 1. Dezember 2008 nicht mehr. Auch in London brachen die Aktienkurse um 4,5 Prozent ein, in Madrid um 4,7 Prozent, in Paris um 5,5 Prozent und in Mailand um 6,15 Prozent. In New York verlor der Dow Jones 3,7 Prozent an Wert.

Betroffen sind vor allem die Aktienkurse von Banken wie der französischen Großbank Société Générale, die viele griechische Staatsanleihen hält. Der Kurs ihrer Aktie stürzte gestern um mehr als zwölf Prozent ab. Der Grund der Kursstürze war nicht - wie teilweise gemeldet wurde - der Tippfehler eines Aktienhändlers, der damit irrtümlich mehr Aktien abstieß, als er wollte. So etwas ist lediglich ein Ausdruck der wachsenden Nervosität der Spekulanten.

Der eigentliche Hintergrund sind ihre enttäuschten spekulativen Hoffnungen auf einen "Aufschwung der Weltwirtschaft". Nachdem bereits Anfang August erste Prognosen auf einen Rückgang des realen Wirtschaftswachstums innerhalb der nach wie vor andauernden Weltwirtschafts- und Finanzkrise deuteten, wird dies durch die neuesten Statistikdaten handfest belegt. In den USA hat sich das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) seit dem dritten Quartal 2010 immer weiter abgeschwächt, es lag im zweiten Quartal 2011 bei nur noch 1,6 Prozent. Nach wie vor hat die Wirtschaftsleistung damit das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht.

Das trifft auch für viele Länder Europas zu. Auch innerhalb der EU ging das BIP-Wachstum bei den meisten Ländern im zweiten Quartal ebenfalls gegenüber dem ersten zurück (von durchschnittlich 2,5 Prozent in der Eurozone auf nur noch 1,7 Prozent). Das trifft insbesondere für die wirtschaftlich größeren Kernländer Frankreich, Deutschland, Spanien und Niederlande zu. Neben sinkendem Export ist dafür vor allem der Rückgang bzw. die Stagnation des Massenkonsums verantwortlich. Dieser wird sowohl durch die wachsende Inflation als auch durch die Krisenprogramme in den verschiedenen EU-Ländern eingeschränkt.

In Griechenland hat dies dazu geführt, dass das BIP bereits seit elf Quartalen in Folge sinkt, im ersten Quartal 2011 sogar um 8,1 Prozent und im zweiten erneut um 6,9 Prozent. Das zeigt, in welcher Zwickmühle die Herrschenden stecken: Die Maßnahmen, die sie zur Überwindung der Finanzkrise treffen, wie "Rettungsschirme" und die damit verbundene Abwälzung der Krisenlasten auf die breiten Massen, vertiefen die Wirtschaftskrise - und ihre Maßnahmen zur Überwindung der Wirtschaftskrise, wie Konjunkturprogramme und die damit verbundene Aufblähung der Staatschulden, vertiefen wiederum die Finanzkrise.

Die Halbwertszeit der "beruhigenden" Wirkung von Gipfel-Vereinbarungen wird deshalb immer kürzer. Dabei hatten sich Angela Merkel und Nikolas Sarkozy Anfang der Woche extra noch getroffen, um der Eurokrise und der Börsenkrise entgegen zu wirken. Zwei Tage später ging es an den Börsen schon wieder bergab. Das unterstreicht, dass sich die Krisenhaftigkeit des Imperialismus weiter vertieft. (Mehr dazu auch in der aktuellen Druckausgabe der "Roten Fahne")