Umwelt

Fünf Monate nach der Fukushima-Katastrophe ...

Fünf Monate nach der Fukushima-Katastrophe ...
Anti-AKW Demonstration in Tokio (Handyfoto)

16.08.11 - Vor fünf Monaten begann in Fukushima die wohl größte nukleare Katastrophe der Menschheitsgeschichte. Das betroffene, nukleare Inventar in Fukushima ist 120 mal größer als 1986 in Tschernobyl. Die Reaktorblöcke gerieten außer Kontrolle, es setzte eine Kernschmelze ein. Die Kettenreaktion läuft unter ständiger Freisetzung von Radioaktivität weiter. Es muss noch Jahrzehnte mit Wasser gekühlt werden. Ein Großteil der Radioaktivität entweicht in Fukushima über das Kühlwasser direkt ins Meer, verteilt sich dort über die Meeresströmungen, mit Folgen für den Pazifik, die Nahrungsketten und den Menschen.

Mit der Behauptung, dass sich die Radioaktivität "verdünnt", wollen die bürgerlichen Medien die Weltbevölkerung beruhigen. "Im Strahlenschutz gilt der Grundsatz, dass jede Verdünnung das Problem vergrößert, da eine größere Fläche, bzw. Anzahl von Menschen betroffen ist. Auch geringste Strahlenmengen können bereits Krebs auslösen. Der Nachweis jedoch, dass genau diese eine Erkrankung auf Fukushima zurückzuführen ist, ist jedenfalls unmöglich und das wissen die Verantwortlichen!“ ( "Zu den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Fukushima auf den Pazifik und die Nahrungsketten", aktuelle Studie von Wissenschaftlern der 'Offenen Akademie')

Die Schäden an allen anderen AKW in Japan als Folge von Erdbeben und Tsunami werden verschwiegen. Es gibt noch immer keine detaillierten Informationen über die Opfer der Nuklearkatastrophe. Erst in den vergangenen Wochen entdeckten Arbeiter eine Stelle, die mit 10 Sievert pro Stunde  die stärkste radioaktive Strahlung seit Beginn der Katastrophe aufwies. Das entspricht 10.000 Millisievert pro Stunde, 20 Millisievert pro Jahr (!) gelten in der BRD als "unbedenklich". Der gemessene, tödliche Wert, ist ein Mindestwert, weil die eingesetzten Messgeräte keine höheren Werte anzeigen können.

Obwohl die in Fukushima eingesetzten Brennstäbe Plutonium enthalten, wurden nur im April Messungen anderer, radioaktiver Nuklide wie Strontium 90 oder Plutonium-Isotope veröffentlicht, danach nie wieder. Radioaktive "Hotspots" (stark verseuchte Orte) werden auch in einer Entfernung von 200 Kilometern von der Reaktorunfallstelle gemessen, z.B. in Kashiwa, einem Vorort von Tokio. Nach Berichten von "Prison Planet" gehen in der Innenstadt von Tokio zahlreiche Pflanzen ein. Über 30 Prozent der Azaleen auf den Bürgersteigen sind völlig tot, sie überstehen sonst das ganze Jahr. Eine Folge der radioaktiven Verstrahlung?

In Japan ist radioaktiv stark belastetes Rindfleisch in 46 der 47 japanischen Präfekturen  auf den Markt gelangt. Nach offiziellen Zahlen sind mehr als 2.900 Fälle bekannt, in denen Rinder mit stark radioaktiv belastetem Heu gefüttert worden sind. Wochenlang wurde in ganz Japan Dünger mit radioaktiv verseuchtem Laub verkauft. Cäsium-Belastungen über den Grenzwerten wurden in Tee gefunden, sowie in Milch, Pflaumen, Algen und Fischen. Die Fundorte lagen bis zu 360 Kilometer von Fukushima entfernt.

Die Website von "Health Canada" hat  Daten aus fünf Überwachungsstationen in Kanada veröffentlicht. Danach lagen die Jod-131-Grenzwerte pro Kubikmeter Luft um mehr als das Doppelte über dem in Kanada festgelegten Grenzwert. Eine Station in Sidney hatte über 22 Tage Werte gemessen, die 61 Prozent höher sind als die erlaubte Grenze. Auch in Oldenburg erfasste eine Messtation im April Jod-131-Werte, die sich um ein zehnfaches zum Normalwert erhöht hatten. Weltweit wird nur die Belastung durch Cäsium und Jod gemessen, die anderen, relevanten Radionuklide (so genannte "alpha-Strahler") werden nicht gemessen.

Die "alpha-Strahler" wie Plutonium oder Americium verhalten sich wie Schwermetalle, lagern sich an Partikel und im Meeresboden an. So haben sie größte Auswirkung auf Meeresalgen, Würmer, Muscheln, Schnecken, Krebstiere, bodenlebende Fische. Auch Fische des Freiwassers ernähren sich von am Boden lebenden Tieren. Durch die Fischerei wird ein Teil der Radioaktivität auf dem Teller der Menschen landen, mit dem Menschen als Endkonsumenten. 

Die Wissenschaftler der "Offenen Akademie" fordern: "Im Pazifik und auch an Land muss ein flächendeckendes Netz von unabhängigen Messstationen eingerichtet werden. Die Kontamination des Meerwassers, der Sedimente (Meeresboden - Anm. "rf-news") und der verschiedenen Meeresorganismen muss weiträumig und kontinuierlich überwacht werden. Es müssen alle relevanten Radionuklide gemessen werden, nicht nur Jod und Cäsium. Gefangener Fisch bedarf ebenso gründlicher Überwachung. Entsprechende Messungen müssen umfassend und langfristig stattfinden. Strengere Grenzwerte sind notwendig. Die Festsetzung von Grenzwerten muss grundsätzlich nach medizinisch relevanten Kriterien und nicht nach wirtschaftlichen Interessen erfolgen."

(Ihre aktuelle Studie vom 7. Juli 2011 steht hier zum Download)