Umwelt

Shell und britische Regierung verharmlosen Ölkatastrophe in der Nordsee

17.08.11 - Seit einer Woche läuft Öl aus der Leck geschlagenen Plattform "Gannet Alpha", die ca. 190 Kilometer vor der schottischen Küste auf der Höhe von Aberdeen liegt. Insgesamt sind nach Angaben von Shell bisher 217 Tonnen Öl in die Nordsee geflossen. Shell behauptet, das Leck sei unter Kontrolle - inzwischen tritt jedoch auch an anderer Stelle Öl aus. Also ist entweder das erste Leck doch nicht dicht, oder es gibt ein zweites, was Shell dementiert - oder beides! Der Ölteppich beträgt mittlerweile einen halben Quadratkilometer und es handelt sich um die größte Ölpest in der Nordsee seit zehn Jahren.

Im Jahr 2000 gelangten 500 Tonnen Öl aus einer defekten Ölplattform in die Nordsee. Umweltschützer kritisieren die Informationspolitik des Shell-Konzerns und der britischen Regierung. Es ist ein Skandal, dass sie nicht unmittelbar Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet haben! Dabei reichen schon geringe Mengen Öl zur Verseuchung des empfindlichen Ökosystems im Meer und an der nahe gelegenen schottischen Küste, wo seltene Vögel brüten.

Für das Weltnaturerbe Wattenmeer vor der schleswig-holsteinischen Küste besteht angeblich keine Gefahr – noch nicht. "Es ist eindeutig, dass Shell große Schwierigkeiten im Umgang mit seiner undichten Leitung hat", kritisierte der Direktor der Umweltschutzorganisation WWF Schottland, Richard Dixon. "Das lässt einen wirklich die Fähigkeit der gesamten Industrie infrage stellen zu reagieren, wenn ein solcher Unfall auf weit größerer Ebene in den sehr viel schwierigeren Gewässern der Arktis passiert wäre." Wohl wahr! Die MLPD fordert in ihrem Klimaschutzprogramm: "Keine Verwüstung des bald freiliegenden Nordpolarmeeres durch Rohstoffausbeutung durch die imperialistischen Großmächte! Erklärung des gesamten Nordpolarmeeres zu einer internationalen Schutzzone!"

Noch am 29. Juli trat Peter Voser, Chef des niederländisch-britischen Ölkonzerns Shell, vor die Presse und sagte, die Ölkatastrophe des Konkurrenten BP letztes Jahr, bei der ca. 780 Millionen Liter Rohöl den Golf von Mexiko verseuchten, sei eine Tragödie. Auf die Frage, ob das denn Folgen habe für die Tiefsee-Bohrinseln von Shell, war seine Antwort ein klares Nein! Zynischer kann man die Profitgier dieser internationalen Ölmonopole nicht auf den Punkt bringen. Das Ergebnis sehen wir nicht nur aktuell in der Nordsee, sondern auch im südchinesischen Meer verursacht eine leck geschlagene Ölplattform von "ConocoPhilips China“ einen Ölteppich, der bereits auf die doppelte Größe des Saarlands angewachsen ist! Auch die chinesische Regierung verheimlicht diese regionale Umweltkatastrophe seit zwei Monaten.

GLOBAL 2000 betont in einer Presseerklärung: "Das Ölgeschäft wird immer schmutziger, man muss immer tiefer bohren, die Anlagen werden immer älter und fehleranfälliger. Es erwarten uns noch viel schlimmere Katastrophen in der Zukunft. Man muss endlich aufhören, in Öl zu investieren - die Zukunft liegt in der Nutzung erneuerbarer Energien." Das ist völlig richtig. Auf dem 2. Umweltratschlag in Gelsenkirchen wird am 8. Oktober der Meeresbiologe Stephan Moldzio ein Forum "Meeres-Ökosysteme unter Druck – Perspektiven zu ihrem Schutz“ durchführen. Nähere Informationen unter: http://umweltratschlag.de

Tipp: "Die Nordsee von oben" heißt ein derzeit laufender sehenswerter Kino-Film, der das Weltnaturerbe Wattenmeer aus der Vogelperspektive zeigt und dabei auch den Umweltschutz anspricht - z.B. dass die Ölplattform "Mittelplate 12 als "Ausnahmegebiet" mitten im Weltnaturerbe steht!