International

Chile: "Soziale Unruhen, wie sie das Land seit der Militärdiktatur nicht mehr erlebt hat"

27.08.11 (Korrespondenz): In Chile brachen in den vergangenen Wochen und Monaten soziale Unruhen aus, wie sie das Land seit der Militärdiktatur Pinochets nicht mehr erlebt hat. Hunderttausende Demonstranten gingen für bessere Bildung auf die Straße. Auf die zumeist friedlichen Proteste reagiert die chilenische Polizei mit heftigen Repressionen. Sogar ein erstes Todesopfer ist zu beklagen. Ein 14-jähriger wurde  im Zuge einer Demonstration am Freitag, den 26. August von einem Schuss eines Polizisten tödlich verletzt. Eine Schülerin befindet sich seit über 30 Tagen im Hungerstreik.

Viele Menschen in Chile fühlen sich an die Zeiten der Militärdiktatur erinnert. Grund dafür ist nicht nur das harte Durchgreifen der Polizei bei den Protesten mit Panzerwagen, Tränengas und Wasserwerfern, sondern auch versteckte Maßnahmen, die dazu dienen, den politischen Gegner zu kontrollieren und einzuschüchtern. So wurde kürzlich bekannt, dass Telefone von Oppositionellen in großem Stil abgehört wurden, auch finden Hausdurchsuchungen ohne triftige Gründe statt. Zudem herrscht in benachteiligten Stadtvierteln und Regionen mittlerweile eine massive Polizeipräsenz.

Eines der Opfer der politischen Verfolgung in Chile ist der in Santiago lebende Musiker und Journalist Claudio Alvarez Gordo. 1996 gründete er die Band  « Cholo Mandinga », die mittlerweile in ganz Chile bekannt ist. Seine zum Teil politischen und oft kritischen  Texte werden mit eingängiger und mitreißender Musik kombiniert. Auch während seiner Konzerte macht « Carrumba », wie er sich als Sänger der Band nennt, oft auf die sozialen und politischen Missstände aufmerksam, mittlerweile aber traut er sich kaum noch aus dem Haus. Vor einigen Monaten durchsuchten vermeintliche Polizisten ohne offizielle Erlaubnis sein Haus, , seine Facebook-Seite wurde gelöscht. Immer häufiger erhält er anonyme Drohungen.