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Empörung über Massaker an kurdischer Bevölkerung

Empörung über Massaker an kurdischer Bevölkerung
Protestkundgebung in Bonn am 22.08.2011. Foto: Ceni-Frauen

25.08.11 - In der vergangenen Woche haben türkische Luftwaffe und Artillerie Ziele in Südkurdistan im Nordirak und Nordkurdistan in der Türkei angegriffen und dabei mindestens 100 kurdische Männer, Frauen und Kinder getötet. Die Operation, die auch vom iranischen Militär unterstützt wird, hat ganz offiziell die Vernichtung der kurdischen Guerilla zum Ziel. In mehreren deutschen Städten gab es Protestdemonstrationen und -kundgebungen gegen die schwere Verwüstungen anrichtenden Militäreinsätze. In Bonn protestierten am Montag, dem 22. August 2011, ca. 150 Menschen, überwiegend Frauen, vor dem UNO-Informationszentrum. Eine Mitarbeiterin von "Ceni", dem kurdischen Frauenbüro für Frieden e.v. in Düsseldorf, berichtete darüber gegenüber "rf-news:" "Die Demonstranten brachten ihre Empörung über das jüngste Massaker in Südkurdistan zum Ausdruck. Sie prangerten auch die deutsche Schützenhilfe für den regelrechten Vernichtungsfeldzug der türksichen Armee an: 'Deutschland finanziert, die Türkei bombardiert!'

In einem Aufruf von Ceni an die demokratische Öffentlichkeit heißt es: "Seit den Abendstunden des 16. August 2011 bombardiert die türkische Luftwaffe ununterbrochen die Grenzregionen Südkurdistans (im Nordirak). Das türkische Militär erklärte am dritten Tag der Luftangriffe, am 19. August, dass sie in den Gebieten Kandil, Haftanin, Xakurkê und Gare insgesamt 20.000 Ziele getroffen habe. Durch die Bombardierungen wurden massive Waldbrände ausgelöst, Viehherden getötet, Ackerflächen, Brücken und Häuser zerstört. Bei den Luftangriffen auf das Kandil-Gebiet wurden u.a. zwei zivile Fahrzeuge getroffen, wobei sieben Angehörige einer Familie ums Leben kamen: Hasan Mustafa Hasan (Vater), Mer Haci Mam (Mutter), Solin Şemal Hasan (6 Monate), Sonya Şemal Hasan (4 Jahre), Oskar Hüseyin (10 Jahre), Zana Hüseyin Mustafa (11 Jahre) und Rezan Hüseyin Mustafa (34 Jahre). Die Körper der Opfer wurden durch den Angriff in Stücke gerissen."

Schon mit einer grenzübergreifenden Militäroffensive der iranischen Armee, die am 16. Juli 2011 begann, sollten die Bevölkerung verunsichert und vertrieben werden. Viele Menschen weigerten sich jedoch, ihre Dörfer zu verlassen. Einen Monat später begannen die schweren Bombenangriffe der türkischen Luftwaffe. Es gibt die Vermutung, dass mit der Vertreibung der Zivilbevölkerung ein Einsatz von chemischen Waffen vorbereitet wird. Bislang wurden sieben Dörfer geräumt, dutzende Dorfbewohner haben bereits ihre Ortschaften verlassen. Die irakische Regierung unterstützt die Pläne des türkischen Staates. Sie kündigte an, insgesamt 170 Dörfer in und um das Kandilgebiet zu räumen.

Die Luftangriffe in Südkurdistan und die breit angelegten militärischen Operationen in Nordkurdistan/Türkei werden von einer anti-kurdischen rassistischen Hetze in den türkischen Medien begleitet. Während sich die Initiativen der Friedensmütter aus verschiedenen kurdischen Städten als lebende Schutzschilde auf den Weg in die Operationsgebiete machte, werden die andauernden Proteste gegen die Luftangriffe mit brachialer Polizeigewalt und Massenfestnahmen beantwortet. Der Gouverneur von Istanbul erklärte kurzerhand den Taksim-Platz, auf dem Proteste gegen  die Militäroperationen der türkischen Armee angemeldet worden waren, zum Ausnahmezustandsgebiet. Tausende von Aktivistinnen und Aktivisten für Frieden, Demokratie und Frauenrechte sind in türkischen Gefängnissen inhaftiert. Weiterhin finden Verhaftungen, Angriffe und Massenprozesse statt. Türkisches Militär bombardierte sogar kurdische Friedhöfe und verstümmelte die Leichen von Gefallenen, um sie noch nach dem Tod zu entwürdigen und damit die Bevölkerung und die Guerilla zu treffen.

Bei verschiedenen geplanten Demonstrationen und Kundgebungen am Antikriegstag, darunter in Düsseldorf und in München, wird unter dem Stichwort "Tatort Kurdistan" Protest und Solidarität mit dem Kampf des kurdischen Volkes um sein Selbstbestimmungsrecht organisiert.