Politik

Stuttgart: 7000 demonstrieren erneut gegen Stuttgart 21

27.08.11 - Trotz Sommerhitze und Unwetterwarnung demonstrierten sie gestern abend durch die Stuttgarter Innenstadt. Bei der Auftaktkundgebung vor dem vor einem Jahr abgerissenen Nordflügel des Hauptbahnhofs machten verschiedene Redner gegen S21 - vom  Enkel des Erbauers des denkmalgeschützten Bahnhofs über Gewerkschafter und Christen - deutlich, dass die Bahn wohl bereits einiges zerstört hat, aber noch kaum etwas von S21 aufbauen konnte.

Vor dem abgerissenen Nordflügel prangt allenfalls ein großes Propagandatransparent für S21. Es ist zudem noch irrreführend, weil es Bäume enthält, die ja aber gerade abgeholzt werden sollen. Das hier geplante Baugebäude konnte noch gar nicht begonnen werden, aber die Bäume, die angeblich verpflanzt werden sollen, wurden schon mal mutwillig herausgerissen.

Im Park müsste der bekannte Stuttgarter Nesenbach 30 Meter tief in einen Düker genannten Betonsarg in gefährliche Nähe zu den Mineralwasserströmen verlegt werden. Laut Carola Eckstein von  „Ingenieure 22 für den Kopfbahnhof“ ist dies ein „Dokument kompletter Realitätsverweigerung“. ...

Der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Renkonsens erntete Beifall, als er den Zuhörern zurief, die Grünen würden sich an ihre Wahlversprechung erinnern,  „dass dieses Massengrab zugeschüttet wird“. Er erntete jedoch deutliche Pfiffe und auch den bekannten Sprechchor „Lügenpack“, als er die Verantwortung für den Kniefall des Ministerpräsidenten Kretschmann auf den Koalitionspartner SPD abschieben wolte. Auffällig war auch, dass im langen Demonstrationszu gerade mal eine oder zwei Fahnen der Partei der Grünen zu sehen war.

Den Haupttenor aller anderen Redner auf der Auttaktkundgebung brachte der Schriftsteller Gunter Haug auf den Punkt: „Wir haben die Pflicht zum Widerstand- empört Euch- wehrt Euch-Oben bleiben!“ Er prangerte auch an, dass einseitig am Autoverkehr orientierte Stadtplaner in Stuttgart nach dem II. Weltkrieg mehr Substanz zerstört haben als der II.Weltkrieg selbst.

Am offenen Mikrophon der MLPD im Demonstrationszug wurde dann unter S21-Gegnern auch dafür geworben, den Widerstand nach Berlin zu tragen. Dort sitzen  schließlich auch die glühenden S21-Fans Ramsauer und Merkel. Die  Teilnahme an der Berliner Demonstration der Montagsdemo-Bewegung gegen Hartz IV am 17.09. bietet dazu eine gute Gelegenheit. Im inzwischen dunklen Schlossgarten wurde dann ein wahres Meer von Wunderkerzen entzündet unter dem Motto „Wir sind das Wunder, das Stuttgart 21 verhindert.“