Politik

Dortmund: Eine ganze Stadt macht mobil gegen Faschistenaufmarsch

Dortmund: Eine ganze Stadt macht mobil gegen Faschistenaufmarsch
Demonstration in Dortmund am 3.9. (rf-foto)

Dortmund (Korrespondenz) 03.09.11: Seit dem frühen Morgen reißen die antifaschistischen Proteste in Dortmund nicht mehr ab. Es gibt vielfältigste antifaschistische Aktionen, Demonstrationen, Blockadeversuche, Kundgebungen und antifaschistische Stadtteilfeste. Mit einem Aufgebot von mehreren Tausend schwer bewaffneten Polizisten mit Wasserwerfern wird versucht, die antifaschistische Bevölkerung einzuschüchtern und die Versammlung der Faschisten zu ermöglichen. Ein ganzer Stadtteil ist abgeriegelt und damit wird das demokratische Versammlungsrecht ausgehebelt. Nachdem die Faschisten stundenlang an ihrem Treffpunkt von Polizei beschützt, festsaßen, gelang ihnen mit Hilfe der Polizei gegen 14.30 Uhr doch noch eine Demonstration. Gegendemonstrationen wurden von der Polizei fern gehalten.

Um 9 Uhr begann am "Fritz Henßler-Haus" eine kämpferische Kundgebung und anschließende Demonstration zum Nordmarkt, an der sich vor allem Jugendliche, Gewerkschafter, SDAJ, REBELL, Falken, Grüne und Linke Jugend beteiligten, ferner die MLPD , DKP, Linkes Bündnis, die Linke  sowie u.a. die Montagsdemo Dortmund und der Frauenverband Courage. Die Demonstration mit mehreren Hundert Teilnehmern bekam in ihrem Verlauf Zuwachs. Versuche, über Nebenstraßen in das abgeriegelte Gebiet zu kommen, wurden von Polizeikräften abgewehrt. Die Demonstration war sehr kämpferisch, mit vielen Parolen, Ansprachen an den offenen Mikrophonen. Es gab eine massive Kritik an der Polizeiführung, ohne deren Schutz die Faschisten in Dortmund keinen Fuß auf den Boden bekommen würden. Große Einheit bestand auch in der Forderung nach dem Verbot aller faschistischen Organisationen.

Um 12 Uhr begann gegenüber dem Hauptbahnhof nach einer Auftaktkundgebung erneut eine Demonstration zum Nordmarkt. Bei aller Unterschiedlichkeit der teilnehmenden Kräfte, so neben den kämpferischen und linken Kräften auch von Kirchen, dem DGB, SPD und der Stadtbürokratie, wurde eine neue Übereinstimmung deutlich. Es gab in der Stimmung eine große Einigkeit darin, dass man sich  gegen die Faschisten aktiv stellen muss, bis hin zu Blockaden. Gegenüber früheren Parolen von bürgerlichen Kräften, man solle wegschauen, zu Hause belieben und Fenster schließen. Anhand der Drohungen und Anschläge der Faschisten wird immer offensichtlicher, dass sie sich gegen die organisierte und revolutionäre Arbeiterbewegung richten.

Selbstbewusst wurde zum Ausdruck gebracht, Dortmund ist antifaschistisch und hat eine große Tradition in der Arbeiterbewegung. Die wenigen Faschisten können sich nur so aufspielen, weil sie von der Polizei und Justiz gedeckt werden. Das offene Mikrophon, das die MLPD zur Verfügung stellte, wurde viel genutzt. U.a. berichtete ein Jugendlicher, dass 19  Kumpels von ihm am Bahnhof schon aufgrund ihres T-Schirts als "linksextreme Gefährder" in Sicherheitgewahrsam genommen wurden.

Sie hatten auf ihrem T-Shirt einen Aufdruck "Wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten".  MLPD-Vertreter wendeten sich gegen die demagogische Gleichsetzung von Links und Rechts, sprachen von der Notwendigkeit, nicht "nur" gegen die Faschisten, sondern dabei auch gegen den Antikommunismus vorzugehen. Es gab viele Diskussionen zum Sozialismus, viele Rote Fahnen wechselten den Besitzer, viele nahmen Flyer zur "Morgenröte der internationalen, sozialistischen Revolution".

Derzeit gehen die vielfältigsten Aktivitäten, Demos, Kundgebungen, Feste und Blockadeversuche weiter.

Stand 15 Uhr