Umwelt

Trotz Fukushima – Atomaufsichtsbehörde nimmt Risiko eines GAU in der Metropolregion Hamburg in Kauf

29.08.11- Anfang August wurde das Atomkraftwerk Brokdorf, nordwestlich von Hamburg, abgeschaltet, nachdem am 20. Juli nach mehrwöchiger Revision das AKW angeblich in einem „Top-Zustand“ wieder ans Netz ging. Plötzlich brannte ein Trafo durch, obwohl die Experten während der Revision keine Mängel gefunden hatten. Vermutlich handelt es sich sogar um eine Schnellabschaltung des Reaktors wegen der Gefahr der Überhitzung der Brennstäbe. Darüber wird aber bis heute weder vom Betreiber E.ON noch von der "Atomaufsichtsbehörde" Schleswig-Holstein (Justizministerium) eine klare Auskunft gegeben. Und nicht nur das. Jetzt erst sickert die Information an die Öffentlichkeit, dass bei der Revision im Juli Verformungen an Brennelementen festgestellt wurden.

Das ist höchst gefährlich, weil damit die volle Funktion des Notabschaltsystems nicht mehr gewährleistet ist. Um den tagtäglichen Höchstprofit durch den Betrieb des AKW zu sichern hat der Betreiber E.ON alles daran gesetzt, den Reaktor wieder schnell wieder in Betrieb zu nehmen,und zwar mit einem Trafo, bei verminderter Last - weil der andere Trafo ja durchgebrannt ist. Die Kieler Atomaufsicht erteilte am vorletzten Donnerstag dafür ihre Zustimmung. Trotz Fukushima wird von E.ON und den staatlichen Stellen offensichtlich das Risiko eines GAU in Kauf genommen, und das in der Metropolregion Hamburg mit weit über zwei Millionen Menschen. Wahrlich ein toller Beitrag zur Propaganda der Stadt Hamburg, die sich gegenwärtig als „Umwelthausstadt Europas“ schmückt. Hamburg ist eine Drehscheibe im internationalen Atomtransport. Die Transporte von Material für Brennstäbe und zur Wiederaufbereitung fallen kaum auf. Ihre Schilder sind unauffällig und die Meldung durch das Bundesamt für Strahlenschutz kommt erst Monate später. Eineinhalbtäglich findet ein Transport von radioaktivem Material auf Hamburgs Straßen bzw. durch den Hamburger Hafen statt. Darunter befindet sich auch Uranhexaflourid. Es ist nicht nur durch seine Radioaktivität gefährlich, sondern hochgiftig und bildet im Falle des Kontakts mit Luftfeuchtigkeit Flusssäure. Diese ist äußert aggressiv und ruft bei Hautkontakt schwere Verätzungen hervor. Kaum auszumalen, was passiert, wenn im dichten Hamburger Straßenverkehr oder im Hafen, der nahe am Stadtzentrum liegt, ein Unfall passiert und radioaktive Stoffe bzw. derartige ätzende Materialien freigesetzt werden.

Ein weitere skandalöser Zustand wurde jetzt im „atomaren Zwischenlager“ Gorleben aufgedeckt. Eine erhöhte Gamma- und Neutronenstrahlung wurde „am Zaun“ des Castor-Lagers festgestellt. Bei einer weiteren Castor-Einlagerung würde selbst der amtliche „Grenzwert“ mehr als deutlich überschritten. Besonders betroffen sind schon jetzt die Arbeiter der Brennelementlager-Gesellschaft (BLG) die täglich dem Strahlenfeld ausgesetzt sind. Die BI Lüchow-Dannenberg fordert deswegen jetzt erst recht, den für November geplanten Castor-Transport nicht durchzuführen. Eine Verstärkung des aktiven Widerstands gegen Atomtransporte ist jedenfalls angesagt.

Beim kommenden internationalen Kampftag gegen Faschismus und Krieg am Donnerstag, den 1. September ist zu Recht die Forderung für die Stilllegung aller Atomanlagen und für das Verbot des Baus und für die Vernichtung aller Atomwaffen weltweit ein wichtiges Thema. Denn eine Trennung von ziviler und militärischer Atomenergie gibt es nicht. Und beide bedeuten eine drohende Gefahr für alles Leben auf unserer Erde!