Politik

Anklage gegen den Antifaschisten Chris baut auf absurden Konstruktionen auf

Stuttgart (Korrespondenz), 06.09.11: Eine Stunde vor Beginn des Prozesses gegen den Antifaschisten Chris fand eine Protestkundgebung vor dem Amtsgericht statt. Daran nahmen rund 120 Menschen teil, darunter von der ver.di-Jugend, der "antifaschistische Initiative Leonberg", von der DKP, der MLPD,  dem Solikreis und andere.

Chris wird von der Anklage vorgeworfen, er habe sich angeblich während der Auftaktkundgebung eines rassistischen, "islamkritischen Wochenendes" im vergangenen Jahr in Stuttgart sowie am Rande des Gründungsparteitags der offen rassistischen Partei "Die Freiheit" der gemeinschaftlichen schweren Körperverletzung, der Körperverletzung, des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und der Sachbeschädigung schuldig gemacht. Als Chris in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde, begrüßten ihn die 65 Prozessbesucher im Saal mit stehendem Beifall und Sprechchören wie "Freiheit für alle politische Gefangenen!"

Nach der Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Biehl war es besonders den präzisen Fragen und der Hartnäckigkeit des Verteidigers zu verdanken, dass erhebliche Widersprüche der Zeugen der Anklage und die Haltlosigkeit der gesamten Anklage deutlich wurden. So erwies sich nach Einsicht des Polizeivideos der Vorwurf als haltlos, Chris habe nach der Besetzung der Bühne der Auftaktkundgebung des "islamkritischen Wochenendes" den Belastungszeugen Polizeikommissar Martin und andere Polizisten minutenlang getreten. Als Beweis für den "Widerstand gegen Vollstreckungbeamte" wurde gewertet, dass Chris sich bäuchlings "nach links und rechts gewendet" habe, nachdem er Pfefferspray in die Augen bekommen hatte und von Polizisten "zu Boden gebracht" worden war. Dagegen hatte der Verteidiger den "Wissenschaftlichen Dienst" des Bundestags zitiert, der unter anderem davon spricht, dass Opfer von Pfefferspray unwillkürlich zucken. Vollends unglaubwürdig war der Zeuge der Partei "Die Freiheit", Stadelmaier. Er brachte zu Protokoll brachte, dass der Angeklagte ihn angegriffen habe und beschrieb ihn als ca. 1.60 Meter groß, er hätte dunkle Haare und einen dunklen Teint gehabt. Chris sei in "südländischer Typ". Chris hat aber dunkelblonde Haare, helle Haut und blaue Augen...

Nachdem der Verteidiger neue Beweisanträge vorgebracht hatte und ein Zeuge nicht erschienen war, wurde die Fortsetzung des Prozesses von der Richterin Burkardt auf den 16.09.2011, 10 Uhr im Amtsgericht Stuttgart festgesetzt.  Die Solidarität mit Chris ist nach wie vor dringend nötig. Sofortige Einstellung des Verfahrens! Freispruch für Chris!