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"Ich grüße alle Genossen in anderen Ländern" - Interview mit der marokkanischen Revolutionärin Ilham Elhasnouni

"Ich grüße alle Genossen in anderen Ländern" - Interview mit der marokkanischen Revolutionärin Ilham Elhasnouni
Ilham Elhasnouni

11.09.11 - In den bürgerlichen Medien konzentriert sich die Berichterstattung über die demokratische Aufstandsbewegung in den arabischen Ländern inzwischen vor allem auf die blutige Niederschlagung von Kämpfen wie in Syrien oder die Entwicklung in  Libyen. Völlig ausgeblendet wird dagegen, dass es in Marokko seit Februar in jedem Monat große Demonstrationen mit insgesamt über einer Million Teilnehmern in rund 110 Städten gibt.

Es hat sich ein "Nationalrat" mit verschiedenen Kommissionen gebildet, die auch konkrete Hilfe und Unterstützung organisieren: Ärzteteams, Rechtsanwälte, Pressearbeit usw. In ihm sind Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Einzelpersonen, Menschenrechtsaktivisten, aber auch Islamisten vertreten. Marxisten-Leninisten, die nach wie vor verboten sind, konzentrieren sich auf die Kleinarbeit und Massenmobilisierung im ganzen Land (siehe Interview in der neuen "Roten Fahne").

Zehn Monate war die marokkanische Revolutionärin Ilham Elhasnouni im Gefängnis, wo sie beleidigt, geschlagen und gefoltert wurde. Ihr wird vom Staatsapparat vorgeworfen, für den revolutionären Weg und eine sozialistische Gesellschaft einzutreten sowie an Protesten an der Cadi-Ayyad-Universität in Marrakesch und an Straßenblockaden teilgenommen zu haben. Ein Korrespondent führte mit ihr das folgende Interview.

"rf-news": Ilham, wofür haben sie dich ins Gefängnis geworfen?

Ilham: Meine Verhaftung war nach dem Aufstand vom 14. bis 15. Mai 2008, der die Studentenbewegung wieder in Verbindung mit dem Klassenkampf in Marokko brachte. In diesen Tagen hatten die Studenten einige ihrer berechtigten Forderungen erhoben. Im Zentrum stand die Forderung gegen die Vertreibung von kämpferischen Studenten der "National Union of Students of Morocco", dass betraf Mitglieder der "Voie Democratique Basiste" (DBW). Auf den Aufstand reagierte das Regime mit Massenverhaftungen. 11 Kämpfer der Gruppe "Zahra Bodkour" behielten sie in Haft. Zehn Genossen kamen für zwei bis drei Jahre ins Gefängnis und es wurden viele Haftbefehle ausgestellt. Der Genosse Morad Elchuini ist weiter in Haft und verbüßt eine vierjährige Strafe. Als eine der Kämpferinnen, die an dem Aufstand beteiligt waren, wurde ich am 12. Oktober 2010 im Haus meiner Familie verhaftet.

"rf-news": Wie wurdest Du in der Haft behandelt?

Ilham: Das Regime setzt gegen kämpferische Kräfte darauf, unseren Willen mit Beleidigungen, Erniedrigung, körperlichen Züchtigung und Schlägen zu brechen. Die fünf Tage, die ich auf der Polizeistation verbrachte, waren wie in einer anderen Welt. Eine Welt voller Krimineller und Folterer, die ihren Sinn für die Menschlichkeit verloren haben. Ich wurde behandelt, als ob ich eine einfache Beute für sie sei, um all ihre Brutalität, ihren Sadismus und alle ihre psychopathischen Erkrankungen auszuleben. Aber unsere Prinzipien und Überzeugung sind unsere beste Waffe in dieser Auseinandersetzung. Das stärkt uns bei Folterungen. Deren ganzer Hass, ihre Schläge, richtet sich gegen unsere Massenlinie.

"rf-news": Wie wichtig war die internationale Solidarität für deine Freilassung?

Ilham: Reaktionäre Regimes versuchen ihre politischen Gefangenen immer zu verstecken. Darum erfinden sie billige Anschuldigungen gegen Kämpfer. Doch es macht einen großen Unterschied, wenn die Massen hinter den Revolutionären stehen. Die Unterstützung durch den Kampf des marokkanischen Volkes und der internationalen Bewegungen und Organisationen war sehr wichtig und bewirkte, dass mein Fall und der anderer politischer Gefangener öffentlich wurden.

Das Regime hat versucht, mich als gewöhnliche Kriminelle darzustellen. Doch das marokkanische Volk hat das abgelehnt und gesagt: Das ist unsere Tochter, die für ein demokratisches, säkulares, öffentliches und einheitliches Bildungswesen eintritt. Ich grüße alle Genossen in anderen Ländern und danke für ihre Unterstützung und erkläre meine bedingungslose Solidarität mit ihrem Kampf.

"rf-news": Erzähl uns über dein Ziel, den echten Sozialismus!

Ilham: Ich vertrete den Marxismus-Leninismus-Maoismus als politische und weltanschauliche Linie. Dafür arbeite ich unter den Massen, um sie zu organisieren, zu mobilisieren und auszubilden.

"rfnews": Vielen Dank für das Gespräch!

(In der aktuellen "Roten Fahne" ist ein ausführliches Interview mit einem Freund aus Marokko über den aktuellen Aufschwung der Massenkämpfe im Land, die Monat für Monat über eine Million Menschen erfassen - sie kann hier abonniert werden)