Umwelt

Demonstrationen in Japan zum "Halbjahrestag" des Super-GAU in Fukushima

12.09.11 - Tausende demonstrierten am Sonntag, ein halbes Jahr nach der verheerenden Atomkatastrophe von Fukushima vom 3. März, unter anderem in Tokio für die sofortige Stilllegung aller japanischen Atomkraftwerke und Umstieg auf erneuerbare Energiequellen. Sie versammelten sich vor der Zentrale des Kraftwerksbetreibers Tepco und bildeten eine Menschenkette um das Wirtschaftsministerium. Die Demonstranten forderten von der Regierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda, dass keiner der vorübergehend stillgelegten Reaktoren wieder angefahren werden dürfe. Derzeit sind in Japan 43 der insgesamt 54 Atomkraftwerke nicht am Netz.

Viele Teilnehmer der Proteste im Regierungsviertel trugen Transparente mit Symbolen der deutschen Anti-AKW-Bewegung und mit Forderungen in deutscher Sprache. Die breite Widerstandsbewegung hier und die Zugeständnisse der Regierung haben sie zum Protest ermutigt.

Angesichts ihres Festhaltens an der Atomenergie gerät auch die neue Regierung erheblich unter Druck. 80 Prozent der Japaner glauben laut aktueller Umfragen nicht mehr, dass ihnen von offizieller Seite die Wahrheit gesagt wurde. Fast zwei Drittel der Bevölkerung haben kein oder nur noch geringes Vertrauen in die Sicherheit der Atomkraftwerke, 84 Prozent sprechen sich für den Ausbau alternativer Energiequellen aus. Der Gouverneur der Präfektur Fukushima weigerte sich jetzt, ein in der Nähe der havarierten Reaktoren gelegenes Kraftwerk wieder anfahren zu lassen und den radioaktiven Abfall aus Fukushima in der Provinz "endzulagern".

Wirtschaftsminister Yoshio Hachiro, zu dessen Verantwortungsbereich auch die Nuklearenergie gehört, musste nach einer Woche im Amt bereits wieder zurücktreten, weil er bei einem Besuch der radioaktiv verseuchten Zone um Fukushima von "Totenstädten" sprach. Bisher hatte die Regierung einem Teil der evakuierten Menschen immer noch eine Rückkehr in Aussicht gestellt und in letzter Zeit sogar verstärkt Druck ausgeübt, dass sie zumindest in die erweiterte Zone zurück kommen sollen, weil dort angeblich die Radioaktivität gesunken sei.