Politik

Charite-Kolleginnen und Kollegen zu ihrem Streik und zur Berliner Wahl

19.09.11 - Ein Siemens-Arbeiter besuchte letzte Woche rund 100 bis 150 Kolleginnen und Kollegen am riesigen Bettenhochhaus der Charite, direkt auf dem Vorplatz am Haupteingang. Er schildert in seiner Korrespondenz folgende Diskussion:

Viele waren da, um ihren Stempel oder Unterschrift für die Streikunterstützung zu holen. Ich frage einen Kollegen, der gerade unterschrieb, nach der Stimmung: "Die Stimmung ist sehr gut. Wir müssen uns durchsetzen. Die da oben bei CFM sagen, die Löhne müssten so tief bleiben, ansonsten drohe die Insolvenz." Darauf ich: "Und was ist mit Sprit, Lebensmitteln und Mieten? Die führen doch bei uns zur Insolvenz - oder?"

"Ja, ja", meint der Kollege: "Jetzt haben wir angefangen zu streiken, jetzt müssen wir dranbleiben, sonst können wir gleich einpacken. Knicken wir jetzt ein, haben wir in den nächsten Jahren keine Chance mehr! Es geht ums Prinzip!" Ich pflichte ihm bei und frage, wie wir vom Siemens-Werk in Moabit den Streik unterstützen können. "Ja", sagt er, "am besten ihr kommt mit einer großen Delegation von Kollegen. Wenn die hier am Bettenhaus sind, macht das was her. Und zwar sichtbar."

Und was wirst du wählen am Sonntag? "Na, für mich ist klar: Rot-Rot (SPD/Linkspartei) sind hier unten durch. Die sind gegen uns. Wowereit war ja hier. Faschisten wähle ich nicht. Ich weiß noch nicht, was ich wähle." Und eine andere Kollegein meint: "Vielleicht wähl ich doch wieder traditionell die SPD, auch mit Zähneknirschen!" Und sie fügt hinzu: "Aber egal, wen ich wähle: Jetzt wird erst mal gekämpft, das ist das Wichtigste!"

Beim Anblick der Kolleginnen und Kollegen ist deutlich: Die Stimmung steht auf Kampf - ohne Wenn und Aber! Ich verabschiede mich und verspreche, mich für aktive Solidarität bei Siemens einzusetzen.