Umwelt

Großbrand in Essen-Kray: Nicht Altmetall, sondern Kunststoff brannte

22.09.11 - Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des überparteiliches Kommunalwahlbündnisses "Essen steht AUF" vom 18. September:

Zu der riesigen Rauchwolke, die Sonntag ab 5 Uhr früh Menschen in Gelsenkirchen, Recklinghausen und darüber hinaus durch stechenden, verschmorten Kunststoffgestank aus dem Schlaf schreckte und überall zu besorgten Anrufen bei der Polizei führte, könne es wohl kaum durch brennendes Altmetall gekommen sein, wie im Radio gemeldet wurde. So äußert sich der Ratsherr von "Essen steht AUF", Dietrich Keil, der selbst in seiner Wohnung in Kray betroffen war.

Keil war lange Zeit Sprecher der früheren "Bürgerinitiative gegen 'Gift'schredder in Kray", die eine bundesweit einmalig hohe PCB-Belastung der Außenluft in Kray-Nord durch die Schredderanlagen der Fa. Richter aufdeckte und sich für zahlreiche Verbesserungen erfolgreich eingesetzt hat.

Sie konnte aber nicht erreichen, dass die Lagerung und Verarbeitung der belasteten Elektro- und Schalterschrotte, auf die sich die Schrottfirma spezialisiert, eingehaust wird, wie es in anderen Ländern beim Recyceln dieser Stoffe üblich ist. Nach wie vor zieren hohe Schrottberge und Berge mit vorgeschredderten Materialien den Stadtteil, und Brände treten häufiger, meist durch Selbstentzündung, auf.

"Diese Meldung ist eine Irreführung", so Keil, "seit wann brennt Metall? Im Elektroschrott und anderen Verbundstoffen ist es vor allem PVC in Dichtungen, Isolierungen, Kabeln usw., das in Brand gerät oder verschmort. Dabei werden unkontrollierte Prozesse der Chlorchemie ausgelöst, die zu PCBs und sogar Dioxinen führen können. Die kann man aber in Kurzzeitmessungen nicht feststellen." Insofern sei die Meldung, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe, dringend zu hinterfragen, zumal man trotzdem aufgefordert wurde, Türen und Fenster zu schließen.