Politik

Tägliche Proteste gegen den Papst-Besuch

22.09.11 - Schon vor der Ankunft des Papstes heute morgen in Berlin zu seiner Deutschlandtournee gab es gestern in der Hauptstadt erste Proteste. Dabei wurden unter anderem Schilder mit der Aufschrift "Not Welcome" getragen. Für heute werden 20.000 Teilnehmer zu einer weiteren Demonstration eines breiten Bündnisses erwartet, die von Lesben- und Schwulenverbänden, freigeistigen Organisationen, Frauengruppen und Vertretern der Opfer sexueller Gewalt in der Kirche initiiert wurde. Das wird auch während der kommenden Stationen der Papstreise so weiter gehen. Der ehemalige Münchener Kardinal Joseph Ratzinger ist seit fünf Jahren unter dem Namen Papst Benedikt XVI. vorgeblich "unfehlbares" Oberhaupt der katholischen Kirche.

Etwa hundert Abgeordnete aus der Linkspartei, von SPD und Grünen haben erklärt, seine Rede heute Nachmittag im Bundestag boykottieren zu wollen. Damit die leeren Plätze unsichtbar bleiben, wurden an ihrer Stelle ausgediente Parlamentarier als andächtige Zuhörer angeheuert. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist gegen den Boykott und fordert "Respekt" für den Papst. Auch die Chefin der Linkspartei, Gesine Lötzsch, will "dem Papst zuhören" und die CDU-Vize-Chefin Annette Schavan hat "kein Verständnis" für den Protest gegen die Papst-Rede. Schließlich sei er ja auch ein "Staatsoberhaupt".

Aber was für eines! Josef Ratzinger vertritt eine extrem frauenfeindliche Institution, die mit ihrer unmenschlichen Sexualmoral Frauen auch zu ungewollten Schwangerschaften zwingt, die Homosexualität verteufelt, die mittels eines Kondomverbots für den Tod Millionen Aidskranker mit verantwortlich ist, die sich mit der systematischen Vertuschung von Verbrechen sexueller Gewalt gegen Kinder in der Kirche hervortut, zugleich für die Aufwertung antisemitischer Kirchenvertreter eintritt.

Vor allem ist die katholische Kirchenführung unter Joseph Ratzinger auch ein ausgemachter Hort des Antikommunismus. Zog sein Vorgänger, der polnische Papst Johannes Paul II. noch ausdrücklich gegen den Kommunismus zu Felde, hat Benedikt XVI, zu dessen Zeiten noch Chef der Glaubenskongregation, in der "Diktatur des Relativismus" die Wurzel allen Übels auf der Welt entdeckt. Darunter fasste er in der Rede vor seiner Wahl neben dem "Atheismus" an erster Stelle auch ausdrücklich den "Marxismus".

Entsprechend unterdrückt und behindert er unerbittlich alle fortschrittlichen Bestrebungen in der Kirche, während er gleichzeitig Leugner des faschistischen Massenmords an den Juden wie den britischen Bischof Williamson wieder in die Kirche aufnahm. Auch der "friedlichen Nutzung der Kernenergie" sprach der "unfehlbare" Papst mehrmals Unbedenklichkeits-Bescheinigungen aus, unter anderem 2008 zum 50. Gründungstag der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), in der der "Heilige Stuhl" von Anfang an einen Sitz hat.

Im Protest gegen den Papst drückt sich auch der wachsende Unmut sehr vieler Katholiken gegen den von Ratzinger verfolgten Kurs aus. Noch nie gab es so viele Kirchenaustritte. Überhaupt sind nur noch 60 Prozent der Deutschen Mitglied einer der beiden großen Amtskirchen. Mehr als acht Millionen haben in den letzten 20 Jahren den beiden Großkirchen den Rücken gekehrt. 

Deutschland ist weit entfernt von einer konsequenten Trennung von Kirche und Staat, im Gegenteil wird nicht nur die Papstreise, sondern der ganze Apparat mit Kirchensteuern und umfassenden weiteren Subventionen am Laufen gehalten. Die MLPD tritt dafür ein, dass Religion und Kirchenzugehörigkeit strikt als private Angelegenheit behandelt und respektiert werden. Darum hat ein Papst ebenso wenig wie ein Dalai Lama, ein Ajatollah oder ein anderer Kirchen- oder Religionschef im Bundestag etwas zu suchen.