Betrieb und Gewerkschaft

Erste Solidaritätsaktion für die Atmel-Mitarbeiter

Heilbronn (Korrespondenz), 01.10.11: Am Tor 1 des Telefunkenparks fand vorgestern eine erste Solidaritätskundgebung mit Offenem Mikrofon statt. In diesem Industriepark sind Mikroelektronik-Betriebe zusammengefasst, die früher zur Konzerngruppe Daimler/AEG-Telefunken gehörten. Die größten dieser Betriebe sind heute Filialen der Weltkonzerne Atmel und Vishay. Die Beschäftigten haben seit vielen Jahren Erfahrungen mit der „scheibchenweise“ Vernichtung von Arbeitsplätzen und dem Einsatz von Leiharbeitern. Die angekündigte Verlagerung von zunächst 23 Arbeitsplätzen nach Manila (Philippinen) brachte das Fass zum Überlaufen. Kollegen aus dem Bereich Back End schickten einen Hilferuf an die Öffentlichkeit und an die Gewerkschaft IG Metall: „SOS! Die Verlagerung bei ATMEL / Back End sind in vollem Gang, vor unseren Augen gehen Produkte und Maschinen weg. … Stoppt die Verlagerungen, stoppt den Abbau der Arbeitsplätze!“

Die Montagsdemo Heilbronn ergriff die Initiative und organisierte eine offizielle Protestkundgebung direkt vor dem Betriebstor zum Schichtwechsel. Daran beteiligten sich neben einigen betroffenen Kollegen der Frauenverband Courage, Migranten und Montagsdemonstranten, die Heilbronner Arbeitsloseninitiative HAI, Mitglieder der Linkspartei, von attac und die MLPD Heilbronn/Neckarsulm. MLPD und HAI hatten jeweils eine Solidaritätsadresse mitgebracht. ... Die internationale Solidarität mit den Kollegen in Manila kam mehrfach zur Sprache. Ein Kollege, der an einer Philippinen-Reise mit dem Deutsch-Philippinischen Freundschaftsverein teilgenommen hatte, berichtete anschaulich über die dortigen Arbeits- und Lebensbedingungen.

„Wo ist eigentlich die IG Metall?“ fragten sich die Teilnehmer. An der Protestkundgebung waren überwiegend aktive Gewerkschafter beteiligt, und forderten den vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft. Betriebsrat und Verwaltungsstelle vertrösten die Belegschaft immer noch mit Verweis auf Verhandlungen. „Wie lange sollen wir noch warten? Die Maschinen werden doch bereits eingepackt!“ fragen die Kolleginnen und Kollegen aus dem Back End. Mit dem Lied „Keiner schiebt uns weg“ und herzlichem Applaus bedankten sie sich für die Solidarität der insgesamt 40 Teilnehmer. Einige der Beschäftigten waren bewusst gekommen, obwohl das Gerücht von einer „nicht erlaubten Kundgebung“ im Betrieb die Runde machte.