Umwelt

Erfolg für Anti-AKW-Widerstand in Japan - "Aus" für den "Schnellen Brüter"

28.09.11 - Die Kernschmelze in den japanischen Katastrophenreaktoren von Fukushima ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Die Temperaturen in den teilweise zerstörten Abklingbecken für die Brennstäbe liegen auch sechs Monate nach dem Beginn der Katastrophe noch nicht unter 100 Grad. Es wird zur Zeit ein Schutzmantel um die strahlenden Ruinen gebaut, möglicherweise vor allem, um diese vor neugierigen Blicken zu "schützen".

Kein Mensch weiß, wie mit den verseuchten Trümmern der zerstörten AKWs, mit kontaminierter Erde, Reisstroh, mit den Trümmern der von Erbeben und Tsunami zerstörten Häuser aus der Umgebung der Reaktoren umgegangen werden soll. Es handelt sich um mehrere zehn Millionen Tonnen verstrahlten Mülls. Hilflose Versuche zum Wegbuddeln verseuchter Erde auf Schulhöfen schaffen zum Beispiel ständig neue Verseuchungsquellen bei Trinkwasser und Lebensmitteln weit über den unmittelbar betroffenen Kreis hinaus.

Nach der schockierenden Wirkung der Katastrophe und gegen die jahrzehntelange Beeinflussung mit der Propaganda angeblich alternativloser und sicherer Kernenergie formiert sich mittlerweile der Widerstand immer energischer und in vielfältigsten Formen. Rund 60.000 Menschen demonstrierten am 18. September in Tokio gegen die Atompolitik der Regierung. In unterschiedlichen Umfragen sprechen sich mehr als 60 Prozent aller Japaner für die Stilllegung aller Atomkraftwerke und den Umstieg auf erneuerbare Energien aus. Dass das auch in Japan geht, ohne das "alle Lampen ausgehen", zeigt allein die Tatsache, dass derzeit nur elf der 54 japanischen Reaktoren in Betrieb sind.

Ende August trat der bis dahin amtierende japanische Ministerpräsident Naoto Kan zurück, nachdem er sich zuletzt unter dem zunehmenden Druck der Massen für einen Ausstieg aus der Atomenergie, die Förderung erneuerbare Energien und eine Festlegung auf Evakuierungsgebiete ausgesprochen hatte. Das steht im Gegensatz zu Positionen seiner aufs engste mit dem japanischen Monopolkapital verschmolzenen Demokratischen Partei Japans (DPJ). Sein Nachfolger Yoshihiko Noda, der als entschiedener Befürworter der AKWs angetreten war, muss nun ebenfalls Zugeständnisse machen.

Versteckt im Haushaltsetat des Wissenschaftsministeriums wurde nun das "Aus" für die einstmals als Gipfelpunkt der Nutzung der Kernenergie gepriesenen "Schnelle Brüter"-Technologie beschlossen. Die Mittel für die Weiterentwicklung des Versuchsreaktors des "Schnellen Brüters" in Monju wurden für das Jahr 2012 um 80 Prozent gekürzt. Von den verbleibenden Mitteln kann nur noch der Unterhalt der Anlage in Höhe von 190 Millionen Euro pro Jahr finanziert werden.

Die Organisation "Bürgerinformation zur Kernenergie" in Tokio hat errechnet, dass die japanische Regierung bereits mehr als zehn Milliarden Euro in das AKW Monju gesteckt hat ("Süddeutsche Zeitung" vom 27.9.11). Das Unfall-Risiko bei "Schnellen Brütern" ist nochmals deutlich höher als bei einem "normalen" AKW, außerdem ist die Koppelung an die Atomwaffenproduktion besonders eng. Das ist auch ein Grund, warum die japanische Regierung am Kern des Weiterbetriebs von Atomkraftwerken nach wie vor fest hält. In Deutschland wurden die Pläne für einen "Schnellen Brüter" in Kalkar schon 1991 durch breiten Widerstand gestoppt.

Auf dem am 8./9. Oktober in Gelsenkirchen stattfindenden Internationalen Umweltratschlag wird es verschiedene Foren und Workshops zum Thema des aktiven Widerstands gegen Atomkraftwerke und seiner internationalen Koordinierung geben.