Betrieb und Gewerkschaft

Es gärt in der Airbus-Belegschaft

30.09.11 - Seit Monaten gärt es in der Airbus-Belegschaft: Bei mehr oder weniger gleichbleibender Belegschaft wurde die Produktionsrate bei der A 320-Serie von 36 im Jahr 2010 auf monatlich 42 hochgetrieben. Das erklärte Ziel: die Produktivität soll ab sofort jährlich um 8 Prozent gesteigert werden und so 1,2 Milliarden € bis 2020 zusätzlich aus der Belegschaft herausgepresst werden. Nach Vorstellung der Airbus-Profiteure sollen die Arbeiter und Angestellten dann bluten, wenn diese 8 Prozent nicht erreicht werden: denn dann soll es entsprechende Abzüge beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld geben! Der Unmut wächst – der Protest formiert sich …

Im Hamburger Werk mit ca. 18.000 Beschäftigten hat sich seit dem Frühjahr der Ärger über die ständig steigende Arbeitsbelastung und Samstagsschichten mit „Dienst nach Vorschrift“, Ablehnung der Sonderschichten und verstärkten Diskussionen in Vertrauensleutesitzungen, aber auch in den Pausenräumen Luft verschafft. Von Seiten der IG Metall-Führung und Betriebsratsspitze wurde die Forderung nach einem sogenannten "Zukunftstarifvertrag" erhoben. Die Verhandlungen darüber sind seit der letzten Woche in die „heiße Phase“ gekommen. Allerdings etwas anders, als es sich mancher vorgestellt hat.

Die Kollegenzeitung Flugzeugbauer schrieb am 22. September in einem Extra: „In erschreckender Weise mussten wir nun feststellen, dass es für die Airbus-Geschäftsleitung nun ein 'Profit-Angebot' von der IG Metall-Verhandlungskommission gibt. Dem Arbeitgeber wird zur Unterschrift angeboten: Bis zum Jahr 2020 darf er 1 Milliarde Euro extra aus uns herausholen! Dafür dürfen ¼ der Verteilzeit (Zeiten, die nicht für die Produktion verwendet werden - rf-news) bei den Werkern (statt 12% also nur noch 9%) und 6 Minuten pro Tag bei den Angestellten gekürzt werden! Das ist nicht im Sinne der Masse der IG Metall-Mitglieder und ihrer Familien. Und was soll's für uns geben? Eine 'Beschäftigungs- und Einkommenssicherung' bis 2020 – wobei Airbus auch noch eine Ausstiegsklausel bei entsprechend schlechter Auftragslage verlangt. Was soll das denn sein? Reden wir doch mal Klartext: nichtssagende Zusicherungen, wie auf 'betriebsbedingte Kündigungen' zu verzichten, haben noch keine Chefetage in dieser Welt davon abgehalten, zigtausende von Arbeitsplätzen zu vernichten: indem für in Rente gehende Kollegen kein Ersatz kommt, Kollegen durch Mobbing aus dem Arbeitsplatz getrieben werden, durch Ausgliederungen ...“

Etwa 150 Kollegen aus Hamburg, Bremen und Stade waren dann am vergangenen Freitag zum Treffen der Verhandlungskommissionen erschienen. Unter diesem Eindruck, der gewachsenen Kampfbereitschaft in der Belegschaft und wachsenden Kritik an einer Unterordnung von Arbeiterinteressen unter die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus wurden die Verhandlungen nach 12 Stunden ohne Ergebnis abgebrochen.

Airbus geht es nicht einfach um mehr Profit. Die Steigerung des Maximalprofits ist aufs engste damit verbunden, dauerhaft den Boeing-Konkurrenten auf Platz 2 zu verweisen. Schon 2010 lag die Auslieferung bei zivilen Flugzeugen um fast 50 (510) über den Boeing-Auslieferungen (462). Gleichzeitig soll eine aufkommende Konkurenz aus China, Rußland und Kanda in die Schranken verwiesen werden.

Es ist an der Zeit, offensiv und selbständig Kampfmaßnahmen vorzubereiten! Ein "Zukunftstarifvertrag", der seinem Namen auch gerecht wird, kann nur von den Interessen der Kolleginnen und Kollegen, den Arbeiterfamilien und dem Interesse unserer Jugend ausgehen. Der "Flugzeugbauer" schreibt zu den wichtigsten Forderungen dafür: "Unbefristete Übernahme aller Leiharbeiter – sofort! Schluss mit Heuern und Feuern! 10% Ausbildungsquote – unbefristete Übernahme aller Azubis entsprechend der Ausbildung! Weg mit den familienfeindlichen Samstagsschichten – 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich! Dafür kann und muss gestreikt werden! Abbruch der Verhandlungen! Nur wer kämpft, kann auch gewinnen!“ Ein richtiger Schritt in diese Richtung: eine Gruppe von Airbus-Kollegen nahm an der Hamburger Montagsdemonstration mit einem Transparent und Redebeiträgen teil. Zurückgewiesen werden muss auch die Drohung von Günter Butschek, Airbus Deutschland-Chef, der Warnstreiks und Protestaktionen gerichtlich untersagen will. Joachim Griesbaum vom Landesvorstand der MLPD in Nord-West: „ Die MLPD im Nord-Westen sichert den Airbus-Beschäftigten die volle Unterstützung, aktive Solidarität und Beratung in den zu erwartenden Auseinandersetzungen zu".