Politik

Mehr als jeder fünfte "Freiwillige" kehrt der Bundeswehr den Rücken

Mehr als jeder fünfte "Freiwillige" kehrt der Bundeswehr den Rücken
Soldaten der Bundeswehr (Handy-Foto)

27.09.11 - Von den 3.459 "freiwilligen" Grundwehrdienst-Leistenden, die im Juli bei der Bundeswehr begonnen haben, sind 780 vorzeitig wieder ausgestiegen. Das ist mehr als jeder Fünfte. Zu den Gründen macht die Bundeswehr nur vage Andeutungen wie dass die Jugendlichen "andere Vorstellungen" gehabt oder "persönliche Gründe" dafür angegeben hätten. Am 4. Oktober werden erneut 4.542 "Freiwillige" ihren Dienst bei der Bundeswehr antreten, darunter sind 142 Frauen. Die Militaristen befürchten eine ähnlich hohe Abbrecherquote.

Das belegt die enormen Probleme der Bundeswehr, trotz massiver Werbekampagnen und schlechter Jobsituation genügend Jugendliche sowohl für ihren "freiwilligen" Grundwehrdienst als auch für längere Verpflichtungen zu ködern. Dabei ist die Bundeswehr seit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 darauf dringend angewiesen. Für die imperialistischen Auslandseinsätze soll eine ständige einsatzfähige Truppenstärke von 10.000 Soldaten geschaffen werden. An elf Militäreinsätzen im Ausland ist die Bundeswehr bereits beteiligt, alleine mit 5.000 Soldaten in Afghanistan. Wehrpflichtige, die in der Regel widerwillig ihren Dienst ableisten, sind für diese Pläne wenig geeignet.

Die Bundeswehr streckt deshalb verstärkt ihre Arme nach der Jugend aus und lässt sich das offiziell 16 Millionen Euro kosten. Mit 110 "Informationsbüros", 94 hauptamtlichen Jugendoffizieren, die an Schulen für die Bundeswehr werben, Werbe-LKWs, die durch das Land fahren, und Ständen wie bei der Spiele-Messe "Games Convention" versuchen sie, die Jugend für den Militarismus zu ködern.

Nach Berichten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gibt es in immer mehr deutschen Bundesländern Kooperationsabkommen zwischen dem jeweiligen Bildungsministerium und der Bundeswehr. Die Schulen werden so unter Druck gesetzt, mit dem Militär zu kooperieren. Laut GEW erreichten 2010 alleine die Jugendoffiziere und Wehrdienstberater der Bundeswehr 340.000 Schüler, darunter auch Kinder von elf Jahren.

Die hauptsächliche Zielgruppe an den Schulen ist die neunte Klasse, also Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren. Der "UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes" hat bereits 2008 bemängelt, dass in Deutschland junge Menschen bereits mit 17 Jahren als Soldatin oder Soldat in die Bundeswehr aufgenommen und militärisch ausgebildet werden. Doch gibt es zunehmend Schulen, die sich dieser Propaganda widersetzen, wie z.B. das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin-Schöneberg. Dessen Schulkonferenz hat beschlossen, die Bundeswehr nicht mehr in die Schule zu lassen, weil sie "das Vertreten von Wirtschaftsinteressen … mit militärischen Mitteln" ablehnt.

Der "Westdeutsche Rundfunk" berichtete am 26. September über Bundeswehrwerbung in der neunten Klasse einer Bonner Realschule. Die interviewten Kinder hoben besonders hervor, dass "es toll sei, bei der Bundeswehr so viele Menschen kennen zu lernen" oder dass man "einen Beruf lernen ... und die Welt sehen" könne. Nur ein Mädchen äußerte Bedenken, dass sie nicht in Afghanistan sterben wolle.

Das wirft ein Licht auf die Hinterhältigkeit der militaristischen Propaganda und zeigt, wie wichtig es ist, bewusst dagegen vorzugehen, die Jugendlichen breit über die Absichten der Militaristen aufzuklären und für den gemeinsamen antimilitaristischen Kampf zu gewinnen. Das war auch ein fester Bestandteil des diesjährigen Antikriegstags, der erstmals als gemeinsamer internationaler Kampftag gegen Faschismus und Krieg der ICOR ("Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen") begangen wurde (siehe "rf-news"-Bericht und Bericht auf der ICOR-Homepage).