Jugend

20.000 beim Jugend-Aktionstag der IG Metall in Köln erleben Kraft der Gewerkschaftsorganisation

20.000 beim Jugend-Aktionstag der IG Metall in Köln erleben Kraft der Gewerkschaftsorganisation
IGM-Jugendaktionstag am 1. Oktober 2011 in Köln; Auftakt am Heumarkt

02.10.11 - Statt der erwarteten 15.000 kamen mehr als 20.000 zum gestrigen großen Jugendaktionstag in Köln, zu dem die IG Metall unter dem Motto "Laut und Stark" aufgerufen hatte. Im Mittelpunkt stand die Forderung nach unbefristeter Übernahme aller Auszubildenden nach der Ausbildung. Mitglieder und Freunde des Jugendverbands der MLPD, des REBELL, waren in Köln aktiv dabei und berichteten an "rf-news":

"Kämpferisch und selbstbewusst waren viele das erste Mal auf einer solchen Demo und erlebten stolz die Masse und Kraft, die in der Gewerkschaftsorganisation steckt. Nachdem die Forderung nach der unbefristeten Übernahme aller Azubis bis vor wenigen Jahren in der Gewerkschaft noch durchaus umstritten war und viele unserer Rebellen damit in Gewerkschaftsgremien in der Unterzahl waren, ist es sehr zu begrüßen, dass diese wichtige Forderung nun zum Allgemeingut in der Gewerkschaft wird."

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, kritisierte unter Beifall in seiner Rede auf der Hauptkundgebung am Kölner Neumarkt Politiker und Konzerne, die Interessen der jungen Generation ignoriert zu haben.

"Dem Linkstrend unter den Arbeiterjugendlichen wurde auch mit Kapitalismuskritik Rechnung getragen, so mit riesigen Transparenten 'Die Krise gehört euch. Die Zukunft gehört uns. Dieser Kapitalismus gehört weg'." Zurecht wirft der Bericht die Frage auf, was wohl mit "dieser Kapitalismus" gemeint ist: gibt es denn noch einen anderen, vielleicht einen besseren, "gezähmten"? Tatsächlich ist das kapitalistische System insgesamt die Ursache von Finanz-, Wirtschafts- und Umweltkrisen.

"Großen Applaus gab es auch für Solidaritätsdelegationen aus Spanien und Südafrika", schreiben die REBELLEN weiter.  "Der südafrikanische Kollege berichtete, dass 67 Prozent der Jugendlichen bei ihnen noch nie einen Job hatten. Eric Leiderer, Bundesjugendsekretär der IGM, stellte auch die Verbindung zur Rebellion im Mittelmeerraum her und traf damit auf Zustimmung. Neu war auch, dass es kurzzeitig ein offenes Mikro mit kleinen Interviews auf der Bühne gab.

In den Argumenten für die richtige Forderung wurde jedoch immer wieder betont, dass die Forderung nach der Übernahme doch im Grunde auch für die 'Arbeitgeber' von Vorteil wäre, und man sie davon überzeugen und 'in die Verantwortung' nehmen müsse. Mit dieser Argumentation ist ein Unterordnen unter die Profitinteressen der Konzerne angelegt – so berichteten viele Azubis und auch Betriebsräte und Jugendauszubildendenvertretungen aus der betrieblichen Realität von Regelungen der einjährigen Übernahme, und 'dass mehr jedoch nicht drin sei'. Deshalb ist es wichtig, dass von diesem Aktionstag auch ein Signal ausgeht, dass die unbefristete Übernahme in der Tarifrunde in Verbindung mit betrieblichen Aktionen wirklich durchgekämpft wird, auf Kosten der Profitinteressen.

Es war vielen Jugendlichen ein sehr ernstes Anliegen, hier für seine Zukunftsinteressen einzustehen. So waren auch Schüler da, nicht übernommene Azubis, die jetzt Leiharbeiter oder arbeitslos sind, auch Aktivisten der Bildungsproteste stellten die Gemeinsamkeit des Anliegens heraus: 'Übernahme für alle, kostenlose Bildung für alle!'. Azubis von Opel Bochum und Rüsselsheim lernten sich kennen und tauschten sich aus. Als nach Demo und Kundgebung in der Lanxess-Arena Fernsehberichte über den Aktionstag kamen, erhielten die sprechenden Azubis tosenden Applaus, Philipp Rösler dagegen ein gellendes Pfeifkonzert.

Die Aufkleber des REBELL stießen auf sehr großes Interesse und waren überall zu sehen. Bei Videoaufnahmen der IGM wurden die Aufkleber des REBELL jedoch wegzensiert. In interessanten Gesprächen wurde das Bewusstsein über die grundlegenden gesellschaftlichen Probleme deutlich, auch viel spontane Zustimmung zu unseren Gedanken der Bedeutung eines revolutionären Jugendverbands und des Sozialismus.

Zugleich hatten auch viele noch die Hoffnung, ob man nicht 'eine Mischung aus Sozialismus und Kapitalismus' schaffen könnte, und mit Demos wie heute alleine die Welt verändern könne. Es wurden einige Verbindungen geknüpft sowie Rebell-Magazine und 'Kapitalismuskritik von Marx'-Broschüren verkauft. Das offene Mikro von kämpferischen Kollegen wurde offen aufgenommen. Jugendvertreter von Ford sangen hier lauthals das Einheitsfrontlied von Bert Brecht, das sie auf IGM-Schulungen gelernt haben – und erstaunlich viele sangen mit.

Während das einheitliche Auftreten mit T-Shirts etc. einerseits toll etwas her machte, stieß der enorme finanzielle Aufwand auch auf Unmut. Mindestens in die Hunderttausende müssen die Ausgaben gegangen sein: Kostenlose T-Shirts und Boxhandschuhe für jeden, Busfahrt und Zutritt zum Konzert mit Top-Bands, x Videoleinwände – in manchen Bussen erhielt sogar jeder 10€ bar auf die Hand für die 'Tagesausgaben'. Da machte es schon richtig Spaß, für jeden unserer REBELL-Aufkleber 5 Cent zu verlangen und dies politisch zu begründen – was oft verwunderte Reaktionen auslöste, jedoch nur wenige abhielt, sich einen zu kaufen.

Vor allem war die Organisation in der Gewerkschaft vielfach damit verbunden, eigenständige Initiativen zu ersticken – so sah man so gut wie keine selbst gemachten Schilder, was vorher in manchen Betrieben trotz Initiative richtig verhindert wurde. In einigen Verwaltungsstellen wurde auch betont unpolitisch geworben, was auch dazu führte, dass den ganzen Tag auch ordentlich gesoffen wurde.

Es war dennoch ein toller Aktionstag der Jugendgewerkschaftsarbeit, der ein wichtiges Zeichen in derzeitigen politischen Situation setzt. Glückwunsch auch an die vielen IGM-Jugendaktivisten, die hier von früh bis spät viel Zeit und Initiative reingesteckt haben."

Heute in einer Woche, am 9. Oktober, beginnt in Karslruhe der 22. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall. Vom gestrigen Jugendaktionstag geht ein starkes Signal in Richtung Gewerkschaftstag, welch anregende Debatten von einer weltanschaulich offenen Gewerkschaftsaktion ausgehen.