International

Streik bei ThyssenKrupp-Fahrstühle in Hongkong - Erklärung der Belegschaftsversammlung (eigene Übersetzung)

Nach Jahren unerträglichen Drucks kämpfen wir für die Verbesserung unserer Lebensbedingungen und streiken für einen fairen Lohn und die Sicherheit der FahrstuhlnutzerInnen

Die Firma Thyssen ist mit einem Umsatz von 5,2 Milliarden Euro einer der drei weltweit größten Hersteller von Fahrstühlen. Mit steigender Inflation und mit der Einführung eines Mindestlohns sind die Arbeiterlöhne in Hongkong in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Unsere Löhne sind dagegen seit Jahren kaum erhöht worden. Im Januar 2010 lag die durchschnittliche Lohnsteigerung bei gerade mal 0,5 Prozent, im Januar 2011 bei lediglich 3 Prozent. Diese mickrigen Lohnerhöhungen bedeuten keine Verbesserung unserer Lebensbedingungen, sie gleichen nicht mal die Inflation aus. Dies gilt aber nicht für den gesamten Fahrstuhl­reparatursektor. Da in der letzten Zeit weniger Leute neu eingestellt wurden, gibt es einen Mangel an Fachkräften.

Die Löhne auf dem Arbeitsmarkt für qualifizierte FahrstuhlmechanikerInnen sind nach und nach gestiegen. Der Basislohn eines Hilfsmechanikers liegt zum Beispiel bei durchschnittlich 8.500 HK-Dollar, FacharbeiterInnen mit vier bis zehn Jahren Erfahrung bekommen etwa 12.000 HK-Dollar, hochqualifizierte ArbeiterInnen mit mehr als zehn Jahren Erfahrung verdienen im Schnitt 14.000 HK-Dollar. Unsere Löhne sind dagegen deutlich niedriger als die marktüblichen.

Einige KollegInnen arbeiten schon acht Jahre in der Firma und verdienen gerade mal 7.100 HK-Dollar, während die gerade eingestellten und neu angelernten MechanikerInnen tatsächlich 8.500 HK-Dollar monatlich bekommen. Die Firma weiß offensichtlich, dass sie angesichts des Arbeitskräftemangels keine ArbeiterInnen fände, zahlte sie nicht den marktüblichen Lohn. Das hindert sie aber nicht daran, die Forderungen der schon lange für die Firma schuftenden ArbeiterInnen zu ignorieren.

Die Arbeit der FahrstuhlmechanikerInnen besteht darin, sich um die reibungslose Funktion der Fahrstühle sowie die Sicherheit der FahrstuhlnutzerInnen zu kümmern. Wenn zwei MechanikerInnen zusammen ein Arbeitsteam bilden, ist nicht nur die Instandhaltung der Fahrstühle und die eigene Arbeitssicherheit gewährleistet, es sind dann auch genug Leute für die Instandhaltungsarbeiten vor Ort, die letztlich die tägliche, massenhafte Nutzung der Fahrstühle ermöglichen. Gesetzlich sind zwei ArbeiterInnen für die Ausführung der Arbeiten vorgeschrieben, aber angesichts des Mangels an Fachkräften in der Firma sind wir oft gezwungen, die Arbeit alleine zu bewältigen. Dadurch sind wir bei der Arbeit deutlich mehr Gefahren ausgesetzt. Vor drei Jahren hat die Firma versprochen, jeweils zwei ArbeiterInnen zusammen arbeiten zu lassen, und seitdem haben wir mehrfach dieses Problem ihr gegenüber zur Sprache gebracht. Die Firma hast sich aber immer wieder rausgeredet und das Thema vor sich hergeschoben. Viel zu spät wurden neue ArbeiterInnen eingestellt, um unsere Arbeitssicherheit zu erhöhen.

Wegen der Knappheit an Arbeitskräften müssen wir abends oft Überstunden machen, um uns um plötzliche Fahrstuhlausfälle zu kümmern. Die KollegInnen brauchen den Lohn für die Überstunden, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wenn wir die Nacht durch arbeiten, schafft es die Firma nicht mal, uns danach einen Ruhetag zuzuteilen, mit anderen Worten, wir müssen oft 33 Stunden am Stück arbeiten, bevor wir Feierabend haben. Ohne diese Überstunden würde unser Lohn nicht zum Leben reichen, und die Firma könnte ihren Service nicht sicherstellen. Auf lange Sicht schadet das aber nicht nur unserer Gesundheit, es kann auch zu Unfällen kommen und damit die Sicherheit der FahrstuhlnutzerInnen gefährden.

Wir treten jetzt in den Streik, nicht nur um für unseren Lohn zu kämpfen, sondern auch um für unsere eigene Sicherheit und die der FahrstuhlnutzerInnen einzutreten. Wir wollen, dass die Firma folgende Forderungen erfüllt:
1. Anhebung der MechanikerInnen-Löhne auf ein faires Maß
2. Vergrößerung der Belegschaft und Arbeit in Zweier-Teams entsprechend den Versprechungen, die vor drei Jahren gemacht wurden
3. Gewährleistung der Ruhetage und Einhaltung einer Arbeitszeit von längstens 24 Stunden – ohne Auswirkungen auf die Lohnhöhe.

Die Belegschaftsversammlung von ThyssenKrupp-Fahrstühle (Hongkong, 26. September 2011)